Lunar Aurora – Aran über Hoagascht (Interviews)

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Interpret:
17. Februar 2012 | Von | Kategorie: Interviews
Lunar Aurora - Aran

Lunar Aurora - Aran

Lunar Aurora sind zurück! Wie ein Paukenschlag hallte diese Meldung in den letzten Wochen durch die Metal-Szene, welche vor Verzückung den kleinen Informationshäppchen und Songauschnitten, welche auf das lechzende Volk losgelassen wurden, lauschen durfte.
Wir als recht neues Magazin ließen es uns dabei nicht nehmen die mittlerweile zu einem Duo geschrumpften Niederbayern (und damit habe ich in meiner fränkischen Unwissenheit südbayerischer Bezirksgrenzen gleich mal voll in die Scheisse gegriffen – Anmerkung vom Autor) mit ein paar Fragen zu löchern. Immerhin passt kaum eine andere Band besser zu unserer Ausrichtung atmosphärische und emotionale Musik in den Fokus zu rücken als Lunar Aurora, welche sich mit Hoagascht (bei Empyre-Music vorbestellen), dem mittlerweile (rechnen wir die Demos weg) neunten offiziellen Album, aufmachen ihren Ausnahmestatus zu bestätigen.

 

 

1. Grüß Gott Aran, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurer neuen Veröffentlichung „Hoagascht“. Vorerst die Frage: ist es euch denn überhaupt recht, als Ausnahmeband bezeichnet zu werden? Zumindest gibt es kaum einen, der sich mit Black Metal beschäftigt und bei Lunar Aurora nicht sofort feuchte Augen bekommt.

 

Aran: Zuerst einmal zu Deiner Ankündigung: Wir sind keine Niederbayern. Nichts gegen die Niederbayern, aber wir persönlich sind geboren und aufgewachsen in Oberbayern.

Zur eigentlichen Frage:

Ich glaube nicht, dass wir als Ausnahmeband gesehen werden. Wir haben sicher einen etwas eigenen Flair, aber deswegen sind wir keine Ausnahmeerscheinung. Und ob jeder, der an unsere Musik stößt, aus lauter Freude feuchte Augen bekommt, wage ich zu bezweifeln. Aber ich weiß Deine Frage zu schätzen.

 

2. Mein Gruß zu Beginn dürfte ja doch in einem Interview mit euch eher ungewöhnlich wirken, bei uns in Bayern bekanntermaßen aber einfach so üblich. Wenn man bedenkt, dass in den letzten Jahren das Bairische scheinbar in den Schulen wieder aktiver gefördert wird als in den Jahrzehnten zuvor, passt es ja tatsächlich hervorragend, wenn eine bayerische Band ein Album im eigenen Dialekt veröffentlicht. Seid ihr aufgrund eurer Heimatverbundenheit oder eher wegen der urtümlichen Atmosphäre des Bairischen dazu gekommen?

 

Aran: Wegen beidem, würde ich sagen. Sowohl Heimatverbundenheit, als auch die urtümliche Atmosphäre veranlassten uns zu diesem Schritt. Zuerst entstanden ein paar Lieder, und dann merkten wir, dass das neue Material in eine Richtung gehen wird, die sehr trocken, erdig und urig sein wird. Daher kam die Entscheidung für die bayrischen Texte fast von selbst. Zumal mir das mit den bayrischen Texten eh schon länger vorgeschwebt ist. Die bayrische Sprache eignet sich bestens für Musik dieser Art. Grobschlächtig, derb und einfühlsam.

 

3. Glaubt ihr, dass es zu Verständnis-Schwierigkeiten bei euren Nichtbayerischen Anhängern kommen wird? Zumindest sollten sie ja durch „A haudiga Fluag“ schon darauf eingestimmt sein. Steht dieses Stück in einem Bezug zum Album?

 

Aran: Ich glaube, man kann die Texte auch als Norddeutscher, Sachse oder Saarländer verstehen. „A haudiga Fluag“ steht aber in keinem inhaltlichen Bezug zu dem Album.

 

4. Textlich habt ihr euch in die alpenländliche Sagenwelt und des bairischen Aberglaubens begeben. Es erscheint ja eigentlich verwunderlich, dass dieser Stoff, der ja eigentlich prädestiniert für die Verwebung in dunkler Musik ist, bisher eher ein Nischendasein führte. Eigentlich ist es ja schon nahezu traurig, dass so viele Musiker sich eher um nordisch, heidnische Themen bemühen als sich an ihre tatsächlichen, umittelbaren Wurzeln zu wenden. Seid ihr bewusst an die Sache herangegangen jetzt ein bairisches Album zu machen, oder war das eher Zufall? Stimmt es wirklich, das ihr die erste Band seid, die ein rein bairisches Album aufgenommen haben, wie der Promotext zu Hoagascht andeutet?

 

Aran: Soweit wir wissen, sind wir die erste Band aus dieser Musikrichtung, die ein komplettes Album mit oberbayrischen Texten gemacht hat. Sollte jemand das schon vor uns gemacht haben, kann er jetzt gerne die Hand heben.

Wir haben uns nicht intensiv mit den Sagen aus unserer Region befasst, weil wir keine Themen übernehmen wollten, die schon da sind. Uns ging es in den Texten um die Darstellung eigener Assoziationen in Bezug auf unsere Heimat.

 

5. Ich als Franke fühle mich trotz aller Differenzen zwischen Franken und Bayern ja doch eher dem bairischen verbunden, musste aber dennoch nach dem Hoagascht googlen, nicht einmal meine niederbayrische Frau konnt mir sagen, was der Ausdruck zu bedeuten hat. Mittlerweile weiß ich darüber bescheid, bin aber doch etwas erstaunt, da ja ein Hoagascht (eine Art Musikantentreffen von Volksmusikern) eher eine gesellige und fröhliche Angelegenheit zu sein scheint, eure Musik aber wenig gesellig wirkt. Wie denkt ihr passt ihr als Metal Musiker in dieses volksmusische Bild hinein?

 

Aran: Wir wollen garnicht in dieses volksmusische Bild passen. Es sollte eher ganz natürlich und normal sein, ein Album in seiner Mundart zu machen, ohne dabei gleich von einer Schublade in die nächste gesteckt zu werden. Und da wir uns nach über 15 Jahren Bandgeschichte trotzdem immer noch als ein freier Haufen von Musikern sehen, passt „Hoagasscht“. Gesellig ging/geht es zum Teil auch her.

Ich persönlich verbinde mit „Hoagascht“ aber auch das Musizieren in einem heimatlichen Garten. Im übertragenen Sinn. „Hoagascht“ kommt von „Heimgarten“. Der Garten taucht in vielen Sagen als eine Welt des Jenseitigen und des Verzauberten auf. Ein in sich abgeschlossener und geschützter Raum. Das geht zurück bis zum Garten Eden. Ein Musisch-Sein und ein Kraft-Schöpfen in und aus der Welt, aus der wir Menschen kommen. Wiederum im übertragenen Sinne gesehen.

 

Lunar Aurora - Hoagascht

Lunar Aurora - Hoagascht

 

6. Generell ist es ja so, dass Volksmusik und insbesondere die bayerische keinen allzu guten Ruf besitzt, was vor allem der Verkommerzialisierung durch den volkstümlichen Schlager und des typischen Klischeebilds der Bierzeltmusik geschuldet ist. Denkt ihr, ihr könnt durch „Hoagascht“ ein bisschen Aufmerksamkeit auf die echte Volksmusik lenken? Immerhin gibt es wohl kaum eine atmosphärisch dichtere Musik als das Spiel einer Zither an einem Kamin im Winter. Werdet ihr den Ansatz von „Hoagascht“ also weiter verfolgen, vielleicht noch ausbauen, oder hat sich mit der Veröffentlichung des Albums dieses Thema zunächst erledigt?

 

Aran: Dieses Thema hat sich erstmal wieder erledigt. Wir planen jetzt keine weiteren bayrischen Alben. „Hoagascht“ ist ein Werk für sich und wird keine neue Ausrichtung einleuten. Und ob wir mit „Hoagascht“ den Blick der Volksmusik auf uns lenken, ist eher zu bezweifeln. Ich hoffe sogar, dass nicht. Natürlich gibt es auch noch gute bayrische Volksmusik, aber „Hoagascht“ fällt dann doch zu sehr aus dem Rahmen.

 


7. Kehren wir der Volksmusik den Rücken zu und wenden uns zum Metal hin. Denkt ihr, es war einfach an der Zeit wieder ein Album zu machen? Oder schwelten die Pläne schon länger in euren Köpfen? „Hoagascht“ wirkt ja in sich recht geschlossen, könnte man es aufgrund der zusammenhängenden Thematik als Konzeptalbum bezeichnen?

 

Aran: Ja, es war wieder mal an der Zeit, ein Album zu machen. So einfach läßt es sich vielleicht in der Tat sagen. Wir haben schon seit ein paar Jahren mit Songideen herumgespielt, aber aufgrund verschiedener Probleme und persönlicher Befindlichkeiten kam es nie zu einem festen Punkt. Erst im letzten Jahr war es wieder möglich. „Hoagascht“ ist aber kein Konzeptalbum. Es wird keine durchgänge Geschichte erzählt. Das Bayrische ist das einzige Konzept darauf.

 

8. Das Album lebt in meinen Ohren vor allem durch die Atmosphäre, durch die hintergründigen Geräusche, die Gitarren setzen dabei ein eher schlicht wirkendes Fundament, auf Blasts habt ihr diesmal gänzlich verzichtet. Ist diese Ausrichtung von vorne herein kalkuliert gewesen, oder hat sich das einfach mit der Zeit so ergeben?

 

Aran: Dass das Album eher gemäßigter, spröder und schwerfälliger ausfallen wird, war mir von Anfang an klar. Das passte einfach in die Zeit und was ich unter anderem ausdrücken konnte und wollte. Die Lieder sind sehr einfach strukturiert, die Gitarren spielen extrem simpel. Passt aber auch zu dem generellen Aufbau von Volksliedern. Spottlieder, Sagenlieder, Bauernlieder… alle haben einen einfachen Kern, ein einfaches Gerüst. Das meine ich nicht abwertend. Im Gegenteil.

 

Lunar Aurora

 

9. Auch wenn etliche das Verwenden eines Drum-Computers bereits auf Andacht kritisierten, obwohl dieser mehr als kompetent programmiert wurde, seid ihr bei „Hoagascht“ wieder damit aktiv. Hat sich das als eure beste Arbeitsweise herauskristallisiert? Immerhin hattet ihr seid 1994 einen rechten Schlagzeuger-Verschleiß. Die Option das Schlagzeug selbst einzutrommeln kommt für euch nicht mehr in Frage?

 

Aran: Das Programmieren eines Schlagzeugs hat sich wieder mehr aus der Not ergeben. Wir hatten zur Entstehungszeit von „Hoagascht“ zum Teil eine große räumliche Trennung untereinander, weswegen es nicht möglich war, einen Schlagzeuger anzulernen und regelmäßige Proben zu haben. Zumal wir zusätzlich eh keine Lust auf Proberaum und neue Mitglieder hatten. Aber ich habe das Schlagzeug so erstellt, dass es nur geübte Ohren als Computerarbeit erkennen dürften. Vermutlich hätte keiner was bemerkt, wenn wir im Album irgendeinen fiktiven Schlagzeuger namentlich erwähnt hätten.

 

10. Auch „Hoagascht“ veröffentlicht ihr mit Unterstützung von Grau Records über Cold Dimensions. Das Label hat sich ja ordentlich entwickelt, zumindest ist die Qualität aller Veröffentlichungen doch sehr hoch. Interessant ist es, dass die Digipak Version nur über Grau erhältlich sein wird, auch eine LP wird es von vorn herein in ausreichenden Mengen geben. Seid ihr es leid, dass auch eure Veröffentlichungen so hoch in Online-Auktionshäusern gehandelt werden? Da ich vorhin schon „A haudiga Fluag“ ansprach, darf man sich auf eine Wiederveröffentlichung dessen freuen?

 

Aran: Geplant ist schon, die Split mit PAYSAGE D’HIVER auf cd wieder zu veröffentlichen. Auch weitere alte Alben sollten nochmal veröffentlicht werden. Zum einen, weil immer noch Nachfrage besteht, zum anderen, um in der Tat etwas gegen die Online-Auktionshäuser zu unternehmen. Alles kann man nicht verhindern, was heutzutage über das Internet an Nutzungsrechtverletzungen und sonstigen Tricks geschieht, aber zumindest ein wenig abfedern.

 

11. Die obligatorische Frage, ob ihr in Zukunft hin und wieder auch live aktiv sein werdet, darf natürlich nicht fehlen. Wie sieht die Zukunft der Band generell aus, werdet ihr als Duo weiter machen, oder ist nach „Hoagascht“ erst einmal wieder Pause angesagt? Wenn man bedenkt, dass in den nächsten Jahren sowohl euer Zwanzigjähriges als auch euer zehntes offizielles Album anstehen.

 

Aran: Das Thema Bühne ist für LUNAR AURORA durch. Wir wollen uns rein auf Aufnahmen beschränken. Im Moment arbeiten wir noch an keinem neuen Album, aber mir schweben Ideen für ein neues Album vor und es wäre doch zu schade, wenn ich mir das selbst vorenthalte.

 

12. Vielen Dank für eure Zeit und ein erneut großartiges Album und viel Glück für die Zukunft! Die letzten Worte mögen euch gehören!

 

Servus!

 

 

 

Gelesen: 1.032 · heute: 0 · zuletzt: 08.12.2018

4 Kommentare auf "Lunar Aurora – Aran über Hoagascht"

  1. Johannes Buß sagt:

    Wenn jetzt wirklich mal die „A Haudiga Fluag“ neu aufgelegt wird, versüßt mir das sogar die ohnehin schon kolossale Freude. Wenn 2012 uns weiter mit so tollen Überraschungen versorgt (Ein neues Lunar Aurora Album…dass muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen) bin ich zufrieden

  2. […] ist, ob die Texte tatsächlich in Bairischem Dialekt verfasst wurden, oder nicht. Wenn Aran im Interview dieses damit meinte, dass auch Nicht-Bayern damit zurecht kommen werden, wurde ich jedenfalls […]

  3. […] a gloomy and mystic atmosphere which is implemented through an earthy/rustic sound. According to an interview (in german) Hoagascht features the thoughts of the band on their native […]

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