Seelenfrost – Interview mit Semgoroth (Interviews)

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23. August 2012 | Von | Kategorie: Interviews
Semgoroth

Semgoroth

Nachdem wir bereits zwei Alben der westfälischen Band Seelenfrost in unserem Magazin rezensieren durften, und beide Male mehr als begeistert von ihrer Musik und dem Herzblut welches in ihren Veröffentlichungen steckt waren, war es langsam an der Zeit die Band um ein Interview zu bitten. Semgoroth, der musikalische Kopf hinter den Schwarzmetallern, war glücklicherweise sofort zu einem Gespräch bereit. Im Folgenden bekommt ihr daher Rede und Antwort zu nunmehr acht Jahren Bandgeschichte geboten:

 

Empyre-Mag: Hallo Semgoroth, danke dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst.

Auch wenn ihr euch im Underground bereits einen sehr guten Namen erspielt habt wäre es toll wenn du dich und deine Band zunächst vorstellst. Wer steht hinter Seelenfrost und wie ist die Geschichte hinter der Band?

 

Semgoroth: Grüß dich! Also, es ging Ende 2006 mit SEELENFROST, damals noch unter dem Namen SEELENWINTER, los. Bis zum Jahre 2010 waren wir ein Duo, bestehend aus mir (Gitarren & Bass) und Waechter Rutan (Gesang), ehe erst D.F.D.E. (Schlagzeug, Bass & zus. Gitarren) und später Nostarion  (Cello) dazu stießen, was sich natürlich als echter Glückgriff erweisen sollte. Die Musik wurde anspruchsvoller und erstmals konnte man im Proberaum auch „proben“, im Sinne davon, dass man mehrere Instrumente hört, hehe. Zuvor zeichnete ich mich für die Instrumente allein verantwortlich.

 

Empyre-Mag:  Seit dem aktuellen Album habt ihr Nostarion von den ebenfalls nicht unbekannten „Dämmerfarben“ an eurer Seite – wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und vor allem zu der Entscheidung ein für Black Metal so „exotisches“ Instrument wie ein Cello in eure Musik mit einzubinden?

 

 

Nostarion

Nostarion

Semgoroth: Der Kontakt zu Nostarion kam durch unsere andere gemeinsame Band IDHAFELS zustande. Das ehemalige Duo Ragnar Ulfsdalir und Fergen Grimnir von eben jener Band wollte die Band aufstocken und da fiel die Wahl unter anderem auf mich und Nostarion. Aus gegenseitigem Respekt für die Musik der anderen wurde halt eine Zusammenarbeit, die sehr zufrieden stellend verläuft. Ich für meinen Teil stehe total auf klassische Instrumente wie Violine oder eben Cello im Black Metal und da war es natürlich ein toller Zufall, dass Nostarion eine klassische Ausbildung am Cello genoss.

 

Empyre-Mag: Die Frage liegt besonders nahe, da man nach „Metamorphosis“ den Eindruck hatte ihr wolltet möglichst „altmodisch“ bzw. nah am Black Metal der 90er klingen. Außerdem wirkt es im Vergleich zu „Zwischen Zukunft und Vergangenheit“ extrem schwermütig und eher auf eine düstere Atmosphäre ausgelegt. War dieses Album eine Ausnahme? Oder warum wirkt es so extrem anders als das davor und das folgende?

 

Semgoroth: Es ist nicht abzustreiten, dass „Metamorphosis“ unser düsterstes und rohstes Album ist, aber es war nicht „geplant“, jetzt auf Teufel komm raus 90er oder besonders nach alter Schule zu klingen. Das war irgendwie so eine Phase von mir. Im etwa selben Zeitraum schrieb ich auch die Songs der beiden ersten „Nostalgia“-Kassetten, die in eine ähnliche Kerbe schlagen, nur noch viel düsterer. Ob „Metamorphosis“ nun eine Ausnahme bleibt kann ich beim besten Willen nicht beantworten, ich plane Alben nicht im klassischen Sinne. Wir wissen immer erst bei den Aufnahmen, wie es dann letztlich klingen wird, hehe. Aber klar, von den Songs her lässt sich immer eine Tendenz erkennen, aber erstmal denke ich nicht, dass es ein „Metamorphosis 2.0“ geben wird.

 

Empyre-Mag: Eine Frage zu eurem ersten Album „im Schatten toter Worte“: Seitdem ich es damals zu rezensieren hatte hielt sich bei uns relativ hartnäckig das Gerücht dass dort einmal in D.S.O.N. ziemlich offensichtlich das Wort „Spiegeleier“ geschrieen wird. Heute weiß ich dass der ganze Song wohl nicht so ernst gemeint war – worum geht es in dem Text, bzw. haben wir uns da echt nicht verhört?

 

 

Im Schatten toter Worte

Im Schatten toter Worte

Semgoroth: Naja, um mal eines vorweg zu nehmen: Das Lied hat das bewirkt, was es sollte. Es wurde kontrovers aufgenommen und diskutiert, hehe. Um mal ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, es ist letztlich nichts weiter als eine Art Satire auf den zu dem Zeitpunkt aufkommenden Black N’ Roll-Trend. Das hat zu dem Zeitpunkt ein wenig genervt und das unser Senf dazu, mit mehr als einem Augenzwinkern. Und Spiegeleiern, hehe. Es ist irgendwie etwas schade, dass wir zu dem Zeitpunkt ein wenig auf diesen Song reduziert wurden, zumal die Texte und Musik sonst ernster Natur sind.

 

Empyre-Mag: Ansonsten sind mir eure Texte allerdings als stets überdurchschnittlich gut aufgefallen (auch auf dem ersten Album mit dem ich mich nicht so anfreunden konnte schon). Besonders da sie sehr intelligent wirken, was ja ein starker Kontrast zu eurem teilweise recht räudigen Sound darstellt. Ist das beabsichtigt? Und welche Themen werden von euch in den Texten verarbeitet?

 

Semgoroth: Rutan steckt wirklich eine Menge Herzblut in die Texte, das ist wahr, und ich bin auch sehr stolz auf seine lyrischen Ergüsse, da sie uns meines Erachtens nach wirklich ein wenig aus dem Gros hervorstechen lassen. Anfangs ging es noch viel um Naturmystik, mittlerweile aber größtenteils um seine eigene Gedankenwelt in jeder Hinsicht, mal mehr, mal weniger metaphorisch.

 

Empyre-Mag: Von welchen eurer persönlich favorisierten Bands siehst du Seelenfrost beeinflusst? Was hört ihr privat selber?

 

Semgoroth: Puh, das ist immer schwer zu sagen. Direkte Einflüsse gibt es eigentlich nicht, aber letztlich wird man unbewusst durch alles beeinflusst, sowohl musikalisch auch vom täglichen Leben. Wenn man scheiße drauf ist, schreibt man jetzt nicht gerade die positivste Musik und umgekehrt gilt dasselbe.

 

Was den Musikgeschmack von uns angeht gehen wir alle ein wenig auseinander. Von (Black) Metal über Stoner/Rock hin zu klassischer Musik und Blues ist alles vertreten.

 

Empyre-Mag: „Im Schatten…“ erschien damals im CD-Digipack, all eure anderen Alben und Demos kamen zunächst in einem wirklich hochwertigen Kassettenformat raus – zwei mal sogar mit aufwändiger Box. Warum habt ihr euch zunächst für dieses Medium entschieden? Und vor allem wer entwirft und gestaltet diese liebevolle Aufmachung. Ich finde ja teilweise lohnt es sich dafür schon sich schnell einen eurer Tonträger zu sichern.

 

 

Metamorphosis

Metamorphosis

Semgoroth: Es ist wirklich ein finanzieller Aspekt, der uns immer wieder zur Kassette brachte. Hier kann man mit relativ kleinen Mitteln wirklich großartige Sachen erschaffen, wie wir hoffentlich hier und da beweisen konnten. Die Gestaltung stammt von uns selbst, für die Umsetzung zeichnet sich seit Jahren Metallkatharsis verantwortlich.

 

Die „Im Schatten…“ war zwar eine professionelle CDr, aber ich bereue es wirklich, dass wir auf gebrannte CDrs zurückgreifen mussten bzw. –gegriffen haben. Daher kamen wir danach wieder aufs gute alte Tonband zurück.

 

Empyre-Mag: Nun wo Metamorphosis noch einmal in CD Version nachgelegt wurde liegt natürlich die Frage nahe ob auch andere Demos/ Alben von euch neu aufgelegt werden. Viele die euch jetzt erst kennenlernen sind ja leider für den Großteil der Erstauflagen zu spät. Ich habe z.B. an anderer Stelle gelesen dass eine Wiederveröffentlichung der Nostalgia Trilogie auf Vinyl im Raum stand – ist das noch geplant?

 

Semgoroth: Die Demos werden wir voraussichtlich nicht noch mal veröffentlichen, die Nachfrage ist da auch noch eher überschaubar, hehe. Eher geht es da um die „richtigen“ Alben, weshalb wir zunächst „Metamorphosis“ nachgeschoben haben, da das Tape schon seit geraumer Zeit schwer auffindbar ist. Die Wiederveröffentlichung der gesamten „Nostalgia“-Trilogie als (Doppel-)LP war mehr ein geäußerter Wunsch von uns, aber ich denke leider nicht, dass es dazu kommen wird. Eine LP des „Nostalgia“-Albums ist jedoch geplant und wird hoffentlich auch in nicht zu ferner Zukunft veröffentlicht. Wer weiß, vielleicht wird es mal einen Interessenten geben, der auch die beiden älteren „Nostalgia“-Kassetten auf eine LP bannen will, da sie auf dem Format denke ich am besten aufgehoben wären. Aber mal schauen, das Leben ist kein Wunschkonzert und die beiden Kassetten sind schon sehr speziell… Auch wenn sie mit am meisten Anklang fanden!

 

Empyre-Mag: Ich habe gelesen dass ihr nun bei Talheim Records seid und das euer nächstes Album über dieses Label erscheinen wird. Bisher ist von Seelenfrost alles in Eigenregie übernommen worden, wie kam es zu dem Kontakt mit den Österreichern und dass ihr euch für dieses Label entschieden habt? Angebote habt ihr doch sicher schon früher gehabt?

 

Semgoroth: Angebote gab es, ja, aber die zerschlugen sich entweder oder waren nicht sehr seriös. Talheim Records Germany hat uns kontaktiert und machte von vornherein einen sehr seriösen, guten Eindruck auf uns, weshalb wir uns gern dazu entschieden haben, einzuwilligen. Es ist ein neues Gefühl für uns, ein Album aufzunehmen in dem Wissen, dass es auch vernünftig veröffentlicht wird und in hoffentlich guten Händen liegt. Übrigens handelt es sich um das deutsche Sublabel Talheim Records Germany, nicht den österreichischen „großen Bruder“.

 

Logo

Logo

 

Empyre-Mag: Fühlt ihr euch gut aufgehoben neben Bands wie Obskene Sonare (dessen Projektkopf man ja durchaus eine gewisse „Rechts-lastigkeit“ vorwirft) oder Aschenglas? Habt ihr keine Angst gerade wegen ersterer Band in ein falsches Licht geraten zu können?

 

Semgoroth: Nun, wir sind der Meinung, dass die Leute, die uns kennen, wissen, dass wir da mal so überhaupt nix mit zu tun haben. Wir haben selbst einen „nicht-Deutschen“ in der Band, insofern… Wir machen uns da keinen Kopf drum. Wenn irgendwer meint, uns in ein solches Licht rücken zu müssen, juckt uns das nicht. Ich wäre dann nur mal gespannt, was uns da so unterstellt werden würde, ich wüsste nicht, wo man da auch nur den Hauch eines Hinweises auf „rechte Tendenzen“ finden sollte. Wie gesagt sind wir auch nicht auf direkt demselben Label wie besagte Band, sondern nur auf dem Geschwisterlabel.

Übrigens stehen auf der Seite des Labels auch ein paar Worte in diese Richtung!

 

Empyre-Mag: Kannst du uns schon ein bisschen mehr zum nächsten Album verraten? Was haben haben wir da zu erwarten? Der dritte Teil der Nostalgia Reihe dürfte tatsächlich als eure bisher beste Veröffentlichung gelten, geht es in dieser Richtung weiter oder überrascht uns ein „Metamorphosis 2“? Wo/ wie siehst du die Zukunft von Seelenfrost und was sind eure weiteren Ziele mit der Band?

 

Semgoroth: Das Songwriting des vierten Albums ist zu etwa 85-90% abgeschlossen, es geht da fast nur noch um Abläufe und finale Details. Wobei wir gestern noch ein neues Lied angefangen haben, hehe. Viel kann ich da noch nicht zu sagen, aber es wird viel abwechslungsreicher sein, mehr Songs haben und hoffentlich auch eine noch bessere Einbindung des Cellos bieten. Ich denke, wenn man das „Nostalgia“-Album mochte, wird sich das beim Neuen nicht ändern, da es den Weg weiterführen und erweitern wird. Wir hoffen, in nicht allzu ferner Zukunft mit den Aufnahmen anzufangen, denn da steht uns ein ganzer Batzen Arbeit ins Haus, hehe! Was danach passiert, keine Ahnung, wirklich nicht. Vielleicht mal ein Konzert oder so, aber das wird probetechnisch schon sehr schwer werden. Wir lassen alles einfach mal auf uns zukommen, aber einfacher wird die Zusammenarbeit nicht.

 

Empyre-Mag: Da ihr mittlerweile nicht mehr nur zu zweit seid, sondern Seelenfrost zu einer kompletten Band angewachsen ist, liegt die Frage nach zukünftigen Live-Auftritten nahe. Käme sowas für euch in Frage? Und vor allem – würdest du dir eure teilweise schon sehr atmosphärische Musik überhaupt live vorstellen können?

 

Semgoroth: Siehe vorige Frage, das ein oder andere Konzert mit entsprechendem Rahmen könnte ich mir gut vorstellen, nur wird das Proben aufgrund der Zeitpläne und der räumlichen Distanzen nicht einfacher in Zukunft. Im Proberaum funktioniert unsere Musik denke ich sehr gut. Man müsste sich dann wohl einen Bastard aus „Metamorphosis“ und „Nostalgia“ in live vorstellen, haha!

 

Empyre-Mag: Damit sind wir auch schon am Ende unseres kurzen Interviews angekommen. Ich bedanke mich für deine Antworten und wünsche euch weiterhin viel Erfolg mit Seelenfrost. Die letzten Worte gehören natürlich dir.

 

Semgoroth: Danke für das ausführliche und interessante Interview und die Unterstützung! Haltet Ausschau nach neuen Veröffentlichungen und der „Nostalgia“-CD und –LP, die hoffentlich bald erscheinen werden!

 

www.seelenfrost.net

 

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