Schattenvald – I (Reviews)

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Interpret:
29. August 2013 | Von | Kategorie: Reviews
Schattenvald - I (2013)

Schattenvald – I (2013)

Irgendwann um 2008 herum, als Myspace seinen letzten Atemzug ausgehaucht hat und man dort tatsächlich noch neue Bands und Musik entdecken konnte, bin ich durch Zufall auf ein Projekt gestoßen welches mich nachhaltig beeindruckt hat. Schattenvald bestand zu dem Zeitpunkt noch als Soloprojekt eines gewissen Nachtsturm – und das wohl bereits seit 1998. Und obwohl die liebevoll gestalteten und selbst bedruckten CDs immer sehr schnell vergriffen und heute kaum noch irgendwie zu erstehen waren, schien das Projekt nie so ganz die Aufmerksamkeit zu bekommen, die es verdient hätte. Nachdem sich Kristallblut Records und Obscure Abhorrence in Kooperation gefunden haben um alle drei bisherigen Alben in einer wesentlich großzügigeren Auflage neu zu veröffentlichen wird sich dies hoffentlich nun ändern.

 

Schattenvald - I (2007)

Schattenvald – I (2007)

Den Auftakt meiner chronologischen Berichts-Serie bildet logischerweise das 2007 erschienene Erstlingswerk „I“. Das in den „Totenklangkammern“ (Eisenbühl) eingespielte Album war damals auf die geringe Stückzahl von 100 CDs limitiert gewesen. Die charismatisch naive Berglandschaft die das Artwork der Erstauflage geprägt hat ist im Rerelease einem dunklen Wald vor blauem Hintergrund gewichen (in Einheit mit den Neuauflagen der beiden übrigen Alben). Das Digipack verfügt über ein Faltcover, mit spärlichen Informationen und einem repräsentativen Textzitat. Soviel zur neuen Aufmachung – musikalisch hat man glücklicherweise von Schnickschnack wie einem neuem Mastering oder ähnlichem komplett abgesehen. Denn auch wenn ich teilweise schon Gemecker über den sehr organischen Sound Schattenvalds lesen durfte, ist es doch gerade die Mischung aus rauem Demo-Charme und trotzdem nicht zu verhehlender Epik die in vielen Stücken des Cryptic Wintermoon Bassisten mitschwingt und die dieses Projekt ausmacht.

 

So stehen auf seinem Album auch sehr melodische und gitarrenlastige Stücke wie „Auf alten Pfaden“ mit einer fast schon mittelalterlichen Grundstimmung im krassen Kontrast zur rauen Underground Black Metal Seite des Franken (z. B. „Der Nachtwanderer“). Während ersteres mit seinen beinahe hymnenhaften Gitarrenläufen wohl den eingängigsten Titel der Scheibe darstellt, prescht der Nachtwanderer gerade heraus nach vorne mit agressiv scheppernden E-Drums und eingespielten Samples, die den Wahnsinn eines vom Satan Besessenen wohl besser nicht hätten treffen können und die eklige Kehrseite des Projektes perfekt in Szene setzen. Dabei wird das Stichwort „Atmosphäre“ dennoch titelübergreifend ganz groß geschrieben. Stücke wie das im Digipack zitierte „Wenn dereinst der Berg rief“ bestechen durch wunderbar düstere und sphärische Ambient-Momente, die sich zu keiner Zeit in Langatmigkeiten verlieren, sondern durchgehend eine beklemmende und dennoch hypnotische Stimmung zu schaffen wissen. Im Allgemeinen ist offensichtlich, dass sich Nachtsturm bei der musikalischen Umsetzung seines komplett eigenen Projektes nicht in das enge Korsett des Genres hat spannen lassen. So gibt es auf der Scheibe immer mal wieder abrupte Tempi-Wechsel, die teilweise sogar einen kleinen Thrash Einschlag durchschimmern lassen. Einzig der oft verzerrte Kreischgesang ist für meinen Geschmack zu sehr in den Hintergrund geraten. Das rein akustische Ausmachen von Texten ist nahezu unmöglich und leider gibt es auch kein Booklet welches Aufschluss über das geben könnte was der Mann dort in bester Gorgoroth Manier von sich gibt.

 

Unterm Strich ist aber schon sein erstes volles Album eine kleine Perle des Untergrunds, das nicht wenig dazu beigetragen haben dürfte, dass Nachtsturms Musik schnell als Geheimtip gehandelt wurde. Natürlich ist immer noch etwas Luft nach oben, aber ich empfehle euch schon mal „Auf alten Pfaden“ direkt hier im Anhang anzuspielen – darüber dass es noch besser geht lest ihr dann in der Rezension zu „II.“ Immer getreu dem Motto:

 

„Höher, immer höher in schwindel erregende Höhen hinauf
Steiler, immer steiler – doch stures Fleisch hält nur der Tod noch auf
Weiter, immer weiter, kaum gewiss scheint das Ziel
Schwerer, immer schwerer zu tragen der eigene Leib“

 

 

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Label: Kristallblut Records / Obscure Abhorrence Productions

Format: Digi-CD

Veröffentlichungstermin: 18.08.2013

Trackliste:

  1. Dämmertage
  2. Auf alten Pfaden
  3. Das alte Haus im wilden Wald
  4. Der Nachtwanderer
  5. Wenn dereinst der Berg rief
  6. Winterland

 

(7 / 10)

(7 / 10)

  

 

 

 

 

 

 

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