Jex Thoth – Blood Moon Rise (Reviews)

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Interpret:
23. Mai 2013 | Von | Kategorie: Reviews
Jex Thoth - Blood Moon Rise

Jex Thoth – Blood Moon Rise

‚Zur richtigen Zeit am richtigen Ort‘ möchte man zum Debüt-Album von Jessica „Jex Thoth“ Bowens Band verlauten lassen. Der Boom aus Doom und Retro war noch nicht völlig explodiert, The Devil’s Blood nur eine wage Linie am zukünftigen Horizont, als 2008 das selbstbetitelte erste Jex Thoth-Album über Kultlabel I Hate das Unlicht drogengeschwängerter Clubs und finsterer Ritualsäle erblickte.

 

 

Ein dermaßen dreckiger, basslastiger und hoffnungslos veralteter Sound, gepaart mit Jex‘ mitreißender Stimme und dem perfekt ausbalancierten Songwriting aus psychedelischem Doom-Metal und krautigem Prog-Rock, schlug ein wie eine Bombe, zerriss den Vorhang zur Vergangenheit und ließ das volle Potential der in Vergessenheit geratenen Musik der 60er und 70er in das einundzwanzigste Jahrhundert strömen. Klar, Jex Thoth sind nicht die ersten, die sich an der endlosen Huldigung Covens, Black Widows und den über allen stehenden Black Sabbath beteiligen, dennoch wage ich zu behaupten, dass es neben Jex kaum eine Band aus dem Bereich gibt, die wirklich aus allen möglichen Musik-Richtungen Fans ergattern konnte, was die Vorfreude auf das zweite Album, welches den Namen „Blood Moon Rise“ trägt, unermesslich werden ließ. Nun sind immerhin fünf Jahre wie ein Sandsturm durch die menschlichen Wüsteneien gefegt, die Musiklandschaft hat sich so sehr verändert, dass „Retro“, ein Begriff, der einstmals nur für eine romantische Rückschau auf das Vergessene stand, mittlerweile schon wieder als Beleidigung aufgefasst werden könnte. Überall sprießen Bands wie Orchid, Kadavar oder Jess And The Ancient Ones aus dem Boden wie faulige Pilze im Sauerregen des Überflusses, immer im Zwiespalt aus Authentizität und Innovation, welchen die wenigsten Bands, genannte wohl noch am besten, umschiffen können. Wie also schlägt sich denn nun „Blood Moon Rise„, wie weit überschattet der Kult des Debüts das zweite Album um es sofort in die Belanglosigkeit zu schießen?

 

Jex Thoth

Jex Thoth

 

Eigentlich ist die Antwort reichlich einfach, Jex Thoth machen da weiter, wo sie aufgehört haben, alles nur etwas weniger psychedelisch, etwas – man möge auch das Unwort ‚kommerzieller‘ verwenden – songorientierter, besser produziert dank Randall Dunn (ja, der Sunn O)))-Knabe, der im Moment eigentlich überall seine Finger im Spiel haben muss, wenn es angesagt werden soll) und irgendwie war das auch so zu erwarten. Die Witness-EP gab schon leichte Hinweise darauf dass Jessicas Gesang wesentlich in den Vordergrund rücken würde und das war prinzipiell auch die absolut richtige Entscheidung. Wer in seinen Reihen eine Stimme und einen dermaßen einnehmenden Charakter wie Jex Thoth hat, wäre verrückt, wenn er nicht davon Gebrauch machen würde. Die charismatische Frontfrau erweist sich als stimmlich gereifter, zerbrechlicher und geheimnisvoller denn je. Minimalistisch ist die Platte, stellenweise erdrückend schwer wie im kaum in die Gänge kommenden, deswegen aber umso atmosphärischeren ‚The Divide‚, dann jedoch auch wieder leicht und poppig freundlich wie im Ohrwurm-Hit ‚Keep your weeds‚. Richtig grandios erweist sich der Mut, der Musik die Elektrizität zu nehmen und beinahe in Singer/Songwriter-Manier eine zerbrechlich akustische Hymne wie ‚Psyar‚ auf Band zu bannen. Leichte Cello-Klänge und der mehrfach aufgeschichtete Gesang lassen eine Gänsehaut entstehen, die nach knapp fünf Minuten und dem Anknipsen des Stromschalters in wohligen Schauern den Körper bedeckt. Wer hier noch behauptet Gitarrensoli wären sinnloser Ballast gehört einfach nur gevierteilt oder als Opfergabe für den Gehörnten dargereicht.

 

 

 

 

Was soll man sagen? Jex Thoth erfüllen – übertreffen teilweise sogar – alle Erwartungen, klingen weiterhin herrlich eigenständig, erschaffen wahrhaftig intensive Doom-Hymnen und zerschmettern den unsäglichen „Retrosticker“, den man ihnen gern anhaften würde. „Blood Moon Rise“ ist ein Album wie aus einem Guss und bestätigt den Ausnahmestatus einer Band, die sich nicht durch Skandale oder eine große Klappe, sondern durch wundervolle musikalische Taten auszeichnet. Vielen Dank dafür!

 
 

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Label: I Hate (http://www.ihate.se/)

Bandpage: http://www.jexthoth.net/

Veröffentlichungstermin: 15.Juni 2013

 

Trackliste:

    1. To Bury
    2. The Places you walk
    3. The Divide
    4. Into A Sleep
    5. And The River Ran Dry
    6. Keep Your Weeds
    7. Ejhä
    8. The Four Of Us Are Dying
    9. Psyar

 

(9 / 10)

(9 / 10)

 
 
 
 

 

 

 

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Gelesen: 612 · heute: 0 · zuletzt: 18.01.2019

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