Schattenvald – II (Reviews)

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Interpret:
2. September 2013 | Von | Kategorie: Reviews
Schattenvald - II

Schattenvald – II

Im selben Jahr ein zweites Album zu veröffentlichen, welches den bereits hoch angesetzen Ansprüchen eines Debüts stand halten kann, das schaffen wenige. Bei Schattenvald erklärt sich die deutlich konstante Qualität, die sich auf dem Folgewerk „II“ abzeichnet vielleicht dadurch, dass Nachtsturm viele Titel zu „I“ und „II“ bereits im Vorfeld für diverse Demo-Veröffentlichungen geschrieben hatte. Dass die Stücke beider Alben aus der gleichen Schaffensphase stammen muss allerdings nicht unbedingt bedeuten, dass es keinen Fortschritt geben kann, wie der Franke in seinem zweiten Streich schnell unter Beweis stellt. Lest also im Folgenden, dass auch die zweite Wiederveröffentlichung unter dem Banner von Kristallblut Records und Obscure-Abhorrence Productions einen kleinen Geheimtip darstellt:

 

Das Cover der Erstauflage

Das Cover der Erstauflage

Immerhin ist meiner Meinung nach gleich der Opener „Es wird regnen“ einer der stärksten Titel aus Nachtsturms Feder, die bisher unter dem Namen Schattenvald veröffentlicht wurden. Wie schon beim Vorgänger verliert der Alleinunterhalter keinerlei Zeit mit einleitenden Klimpertönen sondern prescht direkt mit melodischen Riffs und nach wie vor stark verzerrtem Kreischgesang nach vorne. Gegenüber dem Erstling wirkt der Sound zwar schon deutlich klarer, aber wer ansonsten Hochglanzproduktionen bevorzugt, wird auch hier den räudigen Klang des Projektes wahrscheinlich als eher unbequem empfinden. Ich empfehle wirklich die Musik über Kopfhörer zu genießen. Denn abgesehen von dem wunderbar melancholischen und beinahe sehnsüchtig klingendem Einsatz des Keyboards im ersten Titel, spielt sich hier auch in Stücken wie dem eingängigen „Mondlied“ eine Menge im Hintergrund ab, dessen gesamtes Ausmaß unter Umständen durch den Klang der Aufnahmen, oder der sägenden Gitarren, geschmälert wird.

 

Insbesondere das Keyboard nimmt schließlich auf seinem zweiten Album einen wesentlichen größeren Stellenwert ein als noch auf „I.“ Waren es beim Vorgänger oft noch flächige Synthieklänge, die wabernd eine düstere Grundstimmung geschaffen haben, nehmen die Keys hier in vielen Titeln geradezu eine Schlüsselposition ein und lenken das zweite 2007er Werk in eine wesentlich symphonischere Richtung. Doch auch wenn auf die ohnehin schon sehr melodiebewusste Musik noch eine ordentliche Portion draufgeklatscht wurde, lebt Schattenvald noch immer von den Gegensätzen. In einem Moment eine wunderbar träumerische Atmosphäre zu schaffen und in der nächsten wie ein Berserker den Hörer mit treibenden Riffs auf eine rasante „Höllenfahrt“ zu schicken, das vermögen nicht viele musikalische Einzelgänger geschickt in Szene zu setzen. Dazu kommt, dass auch die E-Drums in vielen Stücken wesentlich besser zur Geltung kommen als noch auf „I“, wo ich mir stellenweise zunächst nicht sicher war ob das ganze nicht einfach nur aus der Konserve kommt.

 

An Texten liefert das grüne Digipack leider wieder nur eine kurze Kostprobe, jedoch lassen Songtitel wie „Des Mordenmondenkeyßers fahlsilbern Schreckensheer“ schon einen starken Hang zur Theatralik durchschimmern und mir ein leichtes Schmunzeln durch das Gesicht gehen. Ob ernst gemeint oder nicht – andere Songs befassen sich mit wesentlich weltlicheren Themen.  So behandelt etwa „Niedergang 1648: Eyn Raub von Flammen“ den 30-jährigen Krieg und hebt sich damit deutlich von der nach außen getragenen Berge-, Wald- und Wiesen-Thematik des Projektes ab. Ein spürbarer Fortschritt gegenüber seinem Debüt ist also nicht von der Hand zu weisen. Auch mit „II“ stellt Nachtsturm eindrucksvoll unter Beweis, dass Schattenvald wesentlich mehr ist als eines dieser vielen Ein-Mann-Kapellen, die zeitweise wie die Pilze aus dem Nährboden des vermeintlichen Underground geschossen sind. Nach einem solchen Album freue ich mich nur noch mehr, euch in der kommenden Woche auch das abschließende Album der „Trilogie“ vorstellen zu können – so viel sei schon verraten: Der Mann hält was die vorangegangenen Alben versprechen.

 

 

 

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Label: Kristallblut Records / Obscure Abhorrence Productions

Format: CD

Veröffentlichungstermin: 18.08.2013

Trackliste:

  1. Es wird regnen
  2. Mondlied
  3. Des Mordenmondenkeyßers fahlsilbern Schreckensheer
  4. Höllenfahrt
  5. Niedergang 1648: Eyn Raub von Flammen

 

(8 / 10)

(8 / 10)

  

 

 

 

 

 

 

 

 

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