Les Fleurs du Mal – Brunnen (Reviews)

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25. Juni 2012 | Von | Kategorie: Reviews
Les Fleurs du Mal - Brunnen

Les Fleurs du Mal - Brunnen

Erdrückend und endgültig schiebt sich der Stein über den Brunnenschacht… was klingt wie eine Szene aus dem Film „The Ring“ ist eine Metapher, mit dem Wolfsgrimm Records seit einiger Zeit das zweite Album des österreichischen  Ambient Black Metal Projekts „Les Fleurs du Mal“ bewirbt. Eine vielversprechende Beschreibung die dennoch die Frage offen lässt, was man sich musikalisch darunter vorstellen soll. Die vielerorts an mich heran getragenen Vergleiche mit der holländischen Kult-Band Urfaust stellen außerdem einen weiteren Grund dar, sich mit den Blumen des Bösen einmal näher zu beschäftigigen. Können sie diesen steigenden Erwartungen gerecht werden?

Zumal es ja nicht immer positiv ist, wenn man all zu offensichtlich den Stil vermeintlich innovativer Bands kopiert. Sah ich es doch erst kürzlich bei Animo Aeger, die bei den Grabnebelfürsten ordentlich abkupferten. So extrem ist es allerdings bei dem Österreicher nun tatsächlich nicht. Alleinunterhalter Arnar lässt einen Vergleich im hintergründigen Gesang der kurzen Metalpassagen zwar tatsächlich zu, dennoch steht der Ambient definitiv im Vordergrund seine Albums. „Brunnen“ ist von der ersten Minute an wesentlich mehr auf Kopfhörer Musik gemüntzt als dass es wirklich als Metal-Album gesehen werden will. Sei es das einleitende Wasserplätschern zu Sturmgeräuschen, die dann ruhig und langsam einsetzen Synthies oder auch die verzerrten Gitarren im späteren Teil des ersten Titels „Die Wendeltreppe.“Dabei sind es gerade die beklemmend wirkenden Samples die das Album auch in seinen Längen ohne herausragende instrumentale Stellen am leben halten. Schon der leise Kindergesang im Anschluss an den „stürmischen“ Beginn, bauen ein leichtes Unbehagen im Hörer auf, dass von Titel zu Titel nur noch verstärkt wird. Versteht mich an dieser Stelle nicht

Arnar

Arnar

falsch, „Brunnen“ ist kein Ideenloses aneinandergeklatsche von Samples, die von mittelmäßiger Musik ablenken sollen. Vielmehr sehe ich dieses Album im Stil einer Scheibe wie der großartigen „Willenskraft“ der deutschen Trist. Also entspannend und beklemmend zugleich, eine Scheibe die Gefühle in einem aufbaut und nahezu nahtlos Stück für Stück in einander übergeht. Es fällt kaum auf, dass Titel wie „Schlafwandler“ dabei an die zwanzig Minuten andauern, denn „Brunnen“ MUSS geradezu als Gesamtwerk gehört werden. Eben jenes Stück führt mit seinen im Gewitter klimpernden Windspielen die Sturmthematik fort, und gibt den Hörer dass unweigerliche Gefühl dass einem das böse Ende noch bevorsteht. Dieses folgt nach dem langen „Intro“ auch auf dem Fuße im Form eines ähnlichen Black Metal Parts, wie im zuvor gehörten Titel. Besonders interessant ist dabei wie gut sich ein solch hintergründiger (und vollkommen unverständlicher) Klargesang im Gesamtbild des schleppenden Black Metal, den Les Fleurs du Mal bieten, macht. Beinahe hypnotisch stellt er die wichtigste Grundlage für den immer wieder aufkommenden Urfaust Vergleich dar. Natürlich erreicht er dabei nicht ganz deren klasse, kann aber schon aufzeigen worin der extreme Erfolg der Holländer begründet liegen mag.

 

Innerhalb der ordentlichen 53:27 Minuten Spielzeit des Scheibchens kommt man dann in den Geschmack von genau drei solcher gelungenen Black Metal/ Ambient Hybriden und zwei reinen Keyboard-Stücken. Diese stellen dabei den einzigen wirklichen Makel des Albums dar, denn auch wenn es der erdrückenden Gesamtatmosphäre natürlich eher hilft, können dem Hörer über acht Minuten purer Ambient ohne wirkliche Höhepunkte wie in „Totenhall“ doch ein wenig zu lang und einschläfernd vorkommen. So ist „Brunnen“ im allgemeinen ziemlich zäh und vor allem nicht leicht zugänglich. Auf Les Fleurs du Mal muss man sich vollkommen einlassen, abschalten und einfach nur die Musik auf sich wirken lassen. Diese knappe Stunde Beklemmung ist keine Musik für zwischendurch, auch nicht zur Hintergrundberieselung, es ist ein Gesamtwerk das am Stück bei vollem Bewusstsein genossen werden muss. Warum das erste Werk Arnars bisher an mir vorbeigegangen ist weiß ich nicht, es steht nach meiner Rezension nur fest das ich es mir unbedingt auch noch besorgen muss. Jedem der mit den Namen Urfaust, Schattenwelt oder (den deutschen) Trist etwas anfangen kann, kann ich nur ans Herz legen es mir gleich zu tun.

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Label: Wolfsgrimm Records

Veröffentlichung: bereits erschienen

Tracklist:

  1. Die Wendeltreppe
  2. Schlafwandler
  3. Totenhall
  4. Brunnen
  5. Mondspiegel

Erhältlich bei Empyre-Music:

Les Fleurs du Mal – Brunnen (CD) 8,00 €

 

 

(8/10)

(8/10)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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