Karg – Apathie (Reviews)

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Interpret:
4. Januar 2013 | Von | Kategorie: Reviews
Karg - Apathie

Karg – Apathie

Langsam aber sicher entwickle ich eine Aversion gegen den Begriff „Post Black Metal.“ An jeder Ecke schreit er einen an, und jede noch so unnötige Band drückt sich diesen Stempel auf in der Hoffnung damit „individuell“ oder freigeistig zu wirken. Letztendlich geht dieser Schuss oft gehörig nach hinten los, und genannte Gruppen versinken einfach nur in einem Sumpf aus Belanglosigkeit als x-ter Alcest-Abklatsch. Karg aus Österreich hingegen, haben es seit ihrem ersten Album „Von den Winden der Sehnsucht“ immer mal wieder geschafft mich mit ihrem ausnahmsweise tatsächlich ziemlich eigenständigem Sound zu überzeugen. Nachdem V. Wahntraum in unserer Redaktion außerdem erst kürzlich mit „Harakiri for the Sky“ für Furore sorgte, sind die Erwartungen an den neusten Streich des Salzburgers mit dem Titel „Apathie“ natürlich besonders hoch gesteckt.

 

Das einleitende Gemecker über den „Post Black Metal“ ist dennoch nicht ganz fehl am Platz. Ich gebe gerne zu, dass ich mich mit Karg (obwohl ich die komplette Diskographie gehört habe) immer nur recht sporadisch befasst habe, aber den Begriff in Verbindung mit dem Österreicher Projekt lese ich nun zum ersten Mal – und dann auch noch auf der offiziellen Internetpräsenz. Ich bin mir eigentlich recht sicher, dass ihr Stil bisher „Ambient Black Metal“ getauft war, allerdings scheint „Apathie“ generell mit einigen Änderungen im Konzept einherzugehen. Das Logo lässt nicht mehr vermuten, dass Karg in irgendeinem Zusammenhang mit „Black Metal“ steht, der Titel und das sehr gelungene Artwork vollziehen keinen Spagat zu den beiden gleichbetitelten Vorgängern – „Apathie“ scheint unabhängig von dem bisher Geschaffenen. Dazu kommt, dass Herr Wahntraum dieses mal nicht mit endlos wirkenden  Titeln wie „Grabestau…“ aufwartet sondern sich mit den Spielzeiten stark zurückgehalten hat. Auf das ganze Album gesehen, bringt man es mit 47:39 Minuten daher auf eine knappe halbe Stunde weniger Laufzeit als vor zwei Jahren. Grund zur Sorge ist dies dennoch nicht – rein musikalisch hat sich das Projekt Karg allerhöchstens marginal verändert und lediglich seinen Stil weiterentwickelt.

 

V. Wahntraum

V. Wahntraum

Eigentlich ist alles „beim Alten.“ Karg steht nach wie vor für sehr melodischen Schwarzmetall, der es schafft trotz (wie ich finde) sehr weicher Instrumentalisierung oft eine kalte und bedrückende Atmosphäre aufzubauen. Generell fand ich es immer bemerkenswert, wie dieses Projekt es geschafft hat so auf den Hörer zu wirken obwohl sie schon immer recht wenig kantig geklungen hat. „Apathie“ nun, eckt rein von den Instrumenten und der Produktion her kaum an. Das Album würde wahrscheinlich Aalglatt wirken, hätte der Mann dahinter seinen typischen harschen Keifgesang nicht beibehalten. Wie gehabt ist es gerade diese Stimme, die das Ganze Werk besonders emotional und gefühlvoll wirken lässt – eben irgendwo zwischen „gelebter Ekstase und wüster Raserei.“ Untermauert wird dieser Eindruck außerdem von einer ordentlich atmosphärischen Riff-Portion des so genannten „Post Rock.“ Für gewöhnlich bin ich ja gar kein Freund dieses Trends, aber da man sich hier nie ermüdendes Gefrickel verliert, schafft es das Album sogar mich bei der Stange zu halten. Außerdem bekommt man in „Koma“ ja auch wieder sanfte Akustikklänge und Keys auf die Ohren. Wenn dann am Ende von „(Im)Puls“ ein bemerkenswert  gut eingefügter Klargesang auftaucht, ist man kurzzeitig sogar stark an Bands wie Fäulnis  und deren Ausnahmealbum „Gehirn zwischen Wahn und Sinn“ erinnert. Textlich ist der Salzburger dabei ebenfalls gar nicht mal so weit entfernt – hier wird die volle Depri-Schiene zelebriert – inklusive Drogenmissbrauch und Betäubung des eigenen Empfindens mit „K-E-T-A-M-I-N.“

 

Höhepunkt und Rausschmeißer gleichermaßen stellt für mich dann das abschließende „Briefe an Gestern“ dar – man soll eben dann aufhören wenn´s am schönsten ist. Unterm Strich ist V. Wahntraum wieder einmal ein wunderbar eingängiges und emotionales Album gelungen, das mir zwar sehr gut gefällt, nicht aber den Höhepunkt seines bisherigen Schaffens darstellt. Rein subjektiv fehlt zumindest mir ein Titel im Stil von „Nimm mir das Licht“ wie er auf der „Gedankensplitter“ EP im letzten Jahr zu hören war, oder aber eine so dichte Atmosphäre wie ihn der Song „Zerissenheit“ auf der „Traumruinen“ Split besaß. Letztendlich fesseln mich die Songs des Albums nicht ganz so wie vereinzelte frühere Titel, aber wer Karg bisher mochte wird beim Kauf des ansehnlichen Digipacks auch definitiv nicht enttäuscht werden.

 

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Label: Obscure Abhorrence Productions

Format: Digi-CD

Veröffentlichungstermin: 03.06.2012

Trackliste:

  1. Von gelebter Ekstase & wüster Raserei
  2. (Im)Puls
  3. K-E-T-A-M-I-N
  4. Wie nur ein einziger Tag
  5. 21. August
  6. Koma
  7. Briefe an Gestern

 

(7 / 10)

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