Frozen Ocean – A Perfect Solitude (Reviews)

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Interpret:
28. August 2012 | Von | Kategorie: Reviews
Frozen Ocean - A Perfect Solitude

Frozen Ocean – A Perfect Solitude

Es ist immer wieder schön, wenn Musik das hält was Artwork und Titel eines Albums versprechen. Ich meine wenn ihr Bock auf infernalisches Geknüppel mit jeder Menge Ziegenvergewaltigung habt zieht ihr euch Archgoat rein und werdet die CD auf der ein einsames Haus irgendwo im nebligen Wald abgebildet ist sicher nicht einlegen. In der Stimmung euch ins geistige Nirvana zu begeben und einfach nur zu entspannen kann Ambient Metal hingegen durchaus die richtige Wahl sein, und so trifft es sich doch ausgezeichnet wenn der Titel „A Perfect Solitude“ schon Hoffnungen auf ein wenig Ruhe und Urlaub fürs Gehirn suggeriert. Dass das russische Projekt Frozen Ocean ebenfalls keine leeren Versprechungen macht versuche ich euch im weiteren Verlauf dieser Rezension etwas näher zu bringen.

 

Also den Moment nutzen an dem man die heimelige Bude für sich alleine hat, oder den/ die Mitbewohner vor die Tür setzen, sich mit einem kühlen Bier und wahlweise einer Kippe auf den Sessel verziehen und einfach mal eine knappe Dreiviertelstunde Musik auf sich wirken lassen. „A Perfect Solitude“ ist das nunmehr fünfte vollständige Album neben einer Reihe EPs, das von dem russischen Alleinunterhalter Vaarwel veröffentlicht wurde. Man könnte also durchaus schon von dem guten Mann gehört haben, wobei ich an dieser Stelle gestehen muss lediglich eine dieser EPs zuvor gehört zu haben. Da mir diese aber noch als recht ordentlich in Erinnerung ist gehe ich schon relativ positiv gestimmt an die neueste Veröffentlichung von Wolfsgrimm Records heran. Und ich kann nur sagen, dass ich in meinen Erwartungen auf keinen Fall enttäuscht wurde.

 

Nach einem kurzen Intro setzt ein leises Regenplätschern ein, dass mir unweigerlich wieder das Bild des einsamen Hauses irgendwo im Nirgendwo ins Gedächtnis ruft, welches schon auf dem gelungenen Digipack zu bestaunen ist. Aber da leuchtet eben auch ein warmes Licht aus den Fenstern in die kalte Umgebung – metaphorisch lässt sich das wunderbar auf den hervorstechenden und dennoch zaghaften Einsatz des Keyboards projizieren, der eigentlich in jedem Titel gegeben ist. „Somewhere Clouds Debark“ war dabei bereits vor Erscheinen des Albums das Stück das einem das Wasser im Mund hat

A perfect Solitude

A perfect Solitude

zusammenlaufen lassen. Und auch wenn der Song schon erahnen lies dass man es hier mit langen flächigen Synthieparts zu tun bekommt, stellt der Titel, der als einer von lediglich zwei Stücken mit Gesang daher kommt, sogar noch einen der Songs dar bei denen sparsam mit zähen Längen vorgegangen wurde. Die Vocals müssen an dieser Stelle besondere Erwähnung finden, denn für mich stellen sie zu diesem Zeitpunkt leider noch den einzigen wirklichen Mangel dar. Langsam, schleppend und und Motivationslos klingt Vaarwel und erinnert mich dabei mehr als einmal an Isolations letztes Werk „Closing a Circle.“ Für den ein oder anderen ist dies sicher gewöhnungsbedürftig, zumal man die Stimme am ehesten als „Klargesang“ beschreiben kann. Black Metal Vergleiche kommen hier zu keiner Zeit wirklich auf, dafür wird dem Drone-Doom besonders im folgenden überlagen Lied „A Sunflower On The Prison Backyard“ Tribut gezollt. Dröhnende, tief gestimmte Gitarren im stetigen Wechsel mit dem beinahe naiven Keyboardklimpern hypnotisieren den Hörer über sage-und-schreibe 14 Minuten und lassen ihn trotz dieser Monotonie oder gerade deshalb tief im Strudel dieser düsteren Musik eintauchen.

 

Der nächste wirklich markante Titel ist dann „Unavailing Steps on Perpetual“, der zweite Titel dem Vaarwel seine Stimme geliehen hat. Im Gegensatz zum Großteil der anderen Stücke, die eher als ein Ganzes gesehen werden können und eine ziemlich dunkle Atmosphäre aufbauen, könnte dieser Song auch völlig für sich alleine stehen. Auch über den Gesang lässt sich hier nicht meckern, war er zuvor noch missmutig in die Grundstimmung der Lieder eingebunden, sticht er hier hervor und erinnert mich dabei irgendwie an 80er Musik. Die tiefen Gitarren und das gestreute C64-Keyboard geklimper lassen einem dabei den ein oder anderen tollen Moment aufschnappen, bevor „Cleavage and Emission“ das Album noch einmal instrumental und mit Samples einer Alarmsirene ausklingen lässt. Diese reißt dann auch mich aus meiner Lethargie und lässt schlussendlich nur eine Wertung zu. Frozen Ocean hat hier ein unwahrscheinlich schönes Stück Ambient Metal abgeliefert. Ich schreibe mit Absicht nicht Ambient „Black“ Metal, weil dieser einfach so gut wie zu keinem Zeitpunkt gegeben ist. Selten ziehen Gitarren-Arrangements zwar Querverweise, aber für mich klingt hier alles viel mehr nach Drone und Doom gemischt mit jeder Menge Ambient. Mir gefällt es als eine Scheibe zu der man abschalten kann und in der man sich vollkommen verlieren kann. Andere könnten bemängeln dass die Musik stellenweise etwas einschläfernd vor sich hinplätschert. Aber ist das nicht ein Problem auf das man sich bei Ambient wohl sowieso einlassen können muss?

 

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Label: Wolfsgrimm Records

Bandpage: http://frozen-ocean.net/

Format: CD Digipack (limitiert auf 300 Stück)

Veröffentlichungstermin: 09.08.2012

Trackliste:

1. Broken Window
2. Somewhere Clouds Debark
3. A Sunflower On The Prison Backyard
4. Mare Imbrium
5. Camomiles
6. Unavailing Steps on Perpetual
7. Cleavage and Emission

 

Erhältlich bei Empyre-Music:

Frozen Ocean – A perfect Solitude CD 9,50 €

 

(8/10)

(8/10)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gelesen: 287 · heute: 0 · zuletzt: 12.10.2017

Ein Kommentar auf "Frozen Ocean – A Perfect Solitude"

  1. Dennis Knoll sagt:

    Der Hammer,
    ich war schon ewig nicht mehr so sehr von einem Album angetan.
    Ich habe es mir vorgestern geholt und seit dem läuft es in Dauerschleife rauf und runter.
    Absolut entspannend und hypnotisch. Sowohl in ruhe auf dem Sessel, bei der Arbeit zur besseren Konzentration oder im Auto.
    Einfach großartig.
    Für Freunde von Draumar oder aber October Falls absolut zu empfehlen. Und dennoch ganz andere Musik.

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