Burzum – Umskiptar (Reviews)

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Interpret:
2. April 2012 | Von | Kategorie: Reviews
Burzum - Umskiptar

Burzum - Umskiptar

Grundsätzlich müsste man den Count ja fast beneiden um den schier endlos wirkenden Quell der Inspiration, der ihm anheim fallen muss. Wer schafft es sonst (gefühlt) jede Woche ein neues Album rauszuhauen ohne dabei in Belanglosigkeit zu verfallen? Ich bin trotz festem Vorsatz noch nicht einmal dazu gekommen, „Fallen“ käuflich zu erwerben, da hat Herr Vikernes bereits eine Platte mit Neueinspielungen veröffentlicht und ein weiteres Album in den Startlöchern. Dabei schafft er es sogar trotz der geringen Zeitspanne, dass die Black Metal Welt jeden noch so schiefen Ton von ihm mit zuammengelaufenen Sabber im Mund sehnlichst erwartet. Doch kann „Umskiptar“ halten, was Belus und Fallen versprechen? Hat Varg sechzehn lange Jahre ein Meisterwerk nach dem anderen geplant, oder lebt sein neuestes Werk ausschließlich vom berühmt berüchtigten Namen Burzum?

 

 

Denken wir zurück an die 90er in Norwegen, denken wir neben den brennenden Kirchen an Alben wie Burzum, Det Som Engang Var, Hvis Lyset Tar Oss und vor allem Filosofem. Vor seiner Verhaftung, die Varg Vikernes zweifelsohne zur unrühmlichen Galleonsfigur des Black Metal hat werden lassen, war der heute 39-Jährige bei weitem nicht weniger aktiv was sein musikalisches Schaffen angeht, als heute nach seiner Entlassung. Auf seinem damaligen Zenith konnte er mit dem Arbeitstempo von einem Album pro Jahr legendäre Alben einspielen – warum sollte man ihm das beinahe inflationäre Veröffentlichen von weiteren Scheiben also heute übel nehmen? Gerade wenn Varg selbst von Umskiptar auf seiner Hompage behauptet, dass Album sei für ihn ein Schritt zurück zu seinen Wurzeln. Denn so überwältigend seine Rückkehr mit Belus auch war, so unterscheiden sich seine neuen Werke doch extrem von dem, was uns als Burzum in Erinnerung geblieben sein dürfte. Und wenn man seinen Worten glauben schenken darf, legt Umskiptar besonders großen Wert auf die Vocals, die sich im Laufe der Jahre nun einmal wirklich in eine extrem andere Richtung entwickelt haben. Klingt Varg also nur ein Jahr später nicht mehr wie ein alter Mann im Kampf mit dem Asthma und findet vielleicht sogar zu dem hohen gekreische zurück, das ihn einst besonders und oft kopiert gemacht hat?

 

Varg Vikernes

Varg Vikernes

Leider nein. Tatsächlich liegt der Fokus seiner neunten Platte deutlich auf seiner Stimme, aber von einer Rückkehr zu irgendwelchen Wurzeln kann hier keine Rede sein. Vielleicht ist Varg alt geworden, vielleicht macht es seine Stimme gar nicht mehr mit, aber Umskiptar fährt weiterhin den Flüster- bzw. Sprechkurs, den auch seine beiden Vorgänger bestritten haben. Klare Momente sind ebenfalls wieder eine Menge dabei, leider ohne damit die besondere Klasse eines Titels wie „Jeg Faller“ zu erreichen. Bedenkt man dabei, dass Umskiptar die Geschichte der Völuspa erzählen soll, machen dann auch die vielen gesprochenen Passagen, in denen Musik nur nebensächlich, beinahe wie ein Abfallprodukt, behandelt werden Sinn. Denn musikalisch zeigt sich der Count dieses mal nicht von seiner besten Seite. Hatte es auf Belus noch einen gewissen Charme, dass ein Mann der schon so lange an der Spitze einer ganzen Musikrichtung steht mit so nostalgischen beinahe naiv simplen Riffs daher kommt, überspannt das neue Album diesen Bogen einfach nur.

 

Der einzige Titel, der mir positiv im Gedächtnis geblieben ist („Alfadanz“) kommt mit so einem billigen Keyboardgeplimper als Intro daher, dass selbst der Tiefpunkt seines Schaffens mit Daudi Baldrs mir erstrebenswerter erscheint. Hätte nicht gerade dieses Stück ein Riff, das mich daran erinnern lässt, wem ich hier lausche, wäre wahrscheinlich sogar die ganze Platte an mir vorbei gegangen. Die hypnotische Monotonie, die Burzum einst auszeichnete, ist dem Mann vollkommen abhanden gekommen und eigentlich ziemlich griffigen Melodien gewichen, die dennoch stark an meiner Aufmerksamkeit zerren und alles andere als un“skip“bar sind. Für ein angebliches „Back-to-the-Roots“ Album kann man es merkwürdigerweise am ehesten mit seinem Letzten vergleichen. Doch wo „Fallen“ mit beinahe süchtig machenden Stücken wie „Valen“ für mich das beste seit seinem legendären Filosofem darstellte, wirkt Umskiptar wie Überbleibsel aus deren Aufnahmesession, die es nicht auf den Vorgänger geschafft haben. Gäbe es kein deutliches Konzept, würde ich fast vermuten, dass beide Scheiben zeitgleich entstanden sind. Dabei kann man in der ersten Hälfte seines Machwerkes, wie gesagt, eigentlich durchaus noch Momente ausmachen, die einen kurzweilig zu begeistern wissen. Spätestens ab der zweiten wird das Ganze noch eine ganze Stufe schwieriger, denn der beiläufige Einsatz seiner Gitarre legt beinahe den Schluss nahe, dass Herr Vikernes hier eigentlich ein Hörbuch einsprechen wollte.

 

Sollte ich ein Fazit ziehen, würde ich rein subjektiv wohl einfach behaupten, es war nur eine Frage der Zeit bis er bei dem Tempo einen totalen Griff ins Klo landet. Ich habe bei Fallen damit gerechnet und bei „From the Depths of Darkness“ war ich der festen Überzeugung, dass es nichts wird. Letzteres war vielleicht unnötig, dann aber sogar überraschend hörbar – Umskiptar nun brauche ich sogar noch weniger. Tut mir leid, hieran ist leider gar nichts atmosphärisch und Burzums Wurzeln höre ich zu keinem Zeitpunkt. Umskiptar ist leider nur zäh, langatmig und lebt von wenigen guten Riffs sowie dem Namen Burzum, der die Verkaufszahlen sicher dennoch in die Höhe schnellen lässt.

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Label:

Duskstone

Bandpage:

Myspace

Format:

CD

Veröffentlichungstermin:

21.05.2012

Trackliste:

1. Blóðstokkinn

2. Jóln

3. Alfadanz

4. Hit helga Tré

5. Æra

6. Heiðr

7. Valgaldr

8. Galgviðr

9. Surtr Sunnan

10. Gullaldr

11. Níðhöggr

 

(5 / 10)

(5 / 10)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gelesen: 1.148 · heute: 0 · zuletzt: 17.10.2019

11 Kommentare auf "Burzum – Umskiptar"

  1. Dennis Knoll sagt:

    Ich kann mich größtenteils auch nur anschließen.
    Dieses Album ist wirklich nicht brauchbar.

    Einen Zusammenhang zu alten Wurzeln kann ich da absolut nicht finden, das einzige was immer wieder aufkommt sind Melodie-Ansätze aus Fallen und man summt heimlich diese Songs mit, bekommt dann aber doch was anderes.

    Diese vertonte Hörbuch-Machart gefällt mir nicht. Die Musik bleibt dort zu sehr auf der Strecke.

    • ANTI85 sagt:

      Hier haben so einige wirklich keine Ahnung. Allen voran der Verfasser des Reviews, der offensichtlich das Album nicht einmal komplett gehört hat.

      Was Countess da oben verzapft ist aber kaum zu toppen….. Egal. Umskiptar ist das bisher stärkste Werk des Mannes. Wer es mehr als 5 Minuten hört und nicht Immortal (btw lächerlich) Black Metal erwartet, der wird dies nur bestätigen.

      Der Rest soll weiter „Black Metal“ hören ….

      • T. G. sagt:

        Ich weiß gerade nicht ob ich mich von so einem lächerlichen Kommentar wirklich provozieren lassen soll. Zumal du nicht einmal einen Punkt nennst an dem du fest machst dass wir alle „keine Ahnung“ haben.

        Du kannst dir sicher sein, dass ich das Album mehr als einmal gehört habe. Wenn du wirklich behauptest es sei das „stärkste“ (das müsste ich eigentlich fett markieren) das von Burzum je veröffentlicht wurde, bist du wahrscheinlich 15 Jahre alt und hast noch niemals eines der alten und (zu recht) legendären Alben gehört. Deine Klischeehafte-Poser-Mailadresse spricht auf jeden Fall dafür dass ich mit meiner Vermutung richtig liege 😀

        Geh bitte erst mal selber „Black Metal“ außer Endstille hören, bevor du versuchst mitzureden.

  2. Thomas sagt:

    Hab mir die Scheibe(Promo) jetzt mehrere Male angehört und muss sagen; von Durchlauf zu Durchlauf finde ich mehr Gefallen an der Sache. Manche Sachen erinnern etwas an die Fallen, wenn auch nicht viel und einige Parts sind sehr sehr Burzum typisch und könnten durchaus auch auf früheren Werken vorkommen. Die typische Monotonie früher Werke findet sich im übrigen sehr oft wie ich festgestellt habe. Das Album ist wirklich gewöhnungsbedürftig, vor allem was die Vocals angeht. Zu Beginn singt Varg ja noch, aber im laufe des Albums wird es immer mehr zu einer Art „Sprechgesang“ und erinnert eher an einen Erzähler. Aber wie gesagt, wenn man sich drauf einlässt, weiß es schon zu gefallen. Ich habe es auch schon zwei mal hintereinander gehört, ohne das es mir über wurde. Es wird nicht jedermanns Ding sein, mir aber gefällt das Ganze recht gut. An dieser Scheibe werden sich die Geister wieder mächtig scheiden.

  3. unlockedshrine sagt:

    Genau der Grund, weshalb ich letzten Endes nicht hier weiter gemacht habe. Hier wird ein absolut fremdartiger Totalitätsanspruch gefplegt, der absolut an der Realität vorbei geht. Wer nicht in oder hinter das Album kommt und das trotz Vorliegens der Texte, der hat ganz zweifellos nicht verstanden, worum es geht. Das Album ist grandios, Jeg Faller nichts weiter als purer Pop dazu im Vergleich und auf Dauer nicht auszuhalten.

    • Dennis Knoll sagt:

      Ich sehe das Problem nicht.
      Es ist eine Rezension über ein Album, ein subjektives befinden dazu.
      Und im Team haben wir „einstimmig“ diese Meinung gehabt, in diversen Foren war es ebenfalls sehr oft zu Lesen.

      Die einen hören Musik, die anderen studieren es gleich. Ich für meinen Teil will das mich die Musik fesselt und das tut sie eben nicht. Wenn man sich damit auseinandersetzen kann mag es seine Qualitäten haben, ich für meinen Teil kann es nicht und ich habe eher das Gefühl das es oft nur um die Person geht anstatt um die Musik. Und die Musik ist ermüdend.

      Monotonie kommt hier auch auf, keine Frage. Diese ist im Vergleich zu alten Dingen aber nicht hypnotisierend sondern anstrengend.

  4. T.G. sagt:

    Das mit dem Totalitätsanspruch wundert mich jetzt echt. Ich hatte bisher das Gefühl dass wir im allgemeinen den Ruf haben zu großzügig zu bewerten.

    Aber zu dem Album scheine ich mit der allgemeinen Meinung übereinzustimmen. Ich habe durchaus schon gelesen dass es Leuten gefällt (bei Songs wie dem erwähnten Alfadanz kann ich das verstehen), aber als „grandios“ hat es noch niemand bezeichnet. Das Konzept mag natürlich gut sein, aber als Musikmagazin muss unser Fokus auf der musikalischen Seite stehen, die ja leider in der zweiten Hälfte des Albums so gut wie gar nicht mehr gegeben ist.

  5. unlockedshrine sagt:

    Klar geht die Meinung mit den meisten konform, ist schließlich Burzum. Vikernes wird, egal was er macht, immer an Hvis Lyset und an Filosofem gemessen werden, da kann er sich noch so auf den Kopf stellen und Norwegen abfackeln.
    Man sollte allerdings auch beachten, dass die Herrschaften, die sich derzeit in der Burzumbox austoben, das Album von gar nicht, bis hin zu einem mal gehört haben und daraus urteilen. Die stellen fest, dass das nicht derselbe Sound wie vor 20 Jahren ist -> automatisch schlecht. Dass man gerade bei Burzum die Musik aus einem jeweils anderen Kontext heraus betrachten muss, wird völlig missachtet. Auch dass das Ablaze hier mal meiner Meinung nach zum ersten Mal völlig danebengegriffen hat (was mich aber wiederum angesichts der Leute hinter dem Magazin und deren Musikgeschmack nicht wirklich wundert) sollte man hierbei nicht unbedingt beachten.

    Sicherlich spielt bei mir auch eine gewisse Grundsympathie zu Vikernes eine Rolle, das beeinflusst sicherlich auch das Gefallen an der Musik (dürfte der einzige Grund sein, weshalb ich Fallen mehr als drei mal gehört habe), aber dieses Mal wurden einfach sämtliche Erwartungen übertroffen, einfach so mal im Vorbeigehen und nochdazu derart, dass aufpassen muss, das Album zu schnell totzuhören – und da geht es meinem ganzen Freundeskreis ziemlich ähnlich, was wiederum die Frage aufwirft: wieso sehen das so wenige andere so? Wir sind wohl kaum ein letztes rares Bollwerk des Burzumverständnisses, das wäre überheblich.

    • Dennis Knoll sagt:

      Die unterschiedlichen Auffassungsgaben dieser Musik sind ziemlich interessant, jedoch können wir ewig darüber Philosophieren und streiten ob es nun gut oder schlecht ist. Dies liegt im Auge des Betrachters. Ob man dazu nun etwas verstehen muss oder vielleicht auch nicht will sei mal dahingestellt.

      Deine Meinung dazu ist hier ganz gut platziert, zeigt diese doch auch die andere Seite. Und jemand der diese Rezension liest hat auch die Möglichkeit deine Meinung dazu zu lesen und kann sich ein besseres Urteil bilden.

      Ich glaube das die Menschen, die Fallen und Belus aufgrund der Musik mochten, hier vorher lieber einmal rein hören sollten.

  6. Wunderbär sagt:

    Man kann von dem Intro zum Elfentanz ja halten, was man will: Aber es handelt es sich in der Klangfarbe sehr offensichtlich um ein echtes Klavier und nicht um „billiges Keyboardgeklimper“ – das wäre vielleicht der Fairness halber eine kleine Korrektur wert.

    Grüße
    Wunderbär

  7. Countess sagt:

    ^^Das rettet das Album aber auch nicht wirklich

    Vor 20 Jahren hat Varg aus dreieinhalb Tönen ein faszinierendes 25 Minuten Stück gebastelt, an dem ich mich immer noch nicht satt gehört habe. Belus, Fallen und Umskiptar kann ich mir beim allerbesten Willen nicht wirklich geben, weil das immer gleiche und noch dazu schlecht gespielte Riff an meinen Nerven sägt. Da nehmen sich die Alben leider auch überhaupt nichts. Bei Belus hat mich schon der „Skandal“ im Vorfeld und die pc-konforme Umbenennung aufgeregt, aber sei es drum, der Wirbel war leider das einzig aufregende am Album. Fallen, und da vor allem Jeg Faller ist das Paradebeispiel für den Absturz eines ehemals hoch talentierten Künstlers, wo ich mich schon gefragt habe, ob der Mann keine Freunde hat, die ihm auch mal sagen, dass das einfach Käse ist, was er da macht. Seine Frau betet den Mann an, von da wird nix kommen. Vielleicht will er auch tatsächlich den Namen Burzum beschädigen, geeignet ist es jedenfalls dazu. Und Umskiptar dann hat mich, obwohl es wenigstens Spurenelemente von netten Ideen enthält (die aber letztlich auch wieder am handwerklichen Mangel scheitern), vor allem wegen der Vocals enttäuscht, bzw dass er das Altisländisch vergewaltigt und es einfach norwegisch „singt“. Das geht bei dem Anspruch, der angeblich dahinter steht, einfach mal gar nicht.

    Weiss nicht wirklich, was ich davon halten soll, alte Burzum Alben waren göttlich, aber wie man sieht, können auch Götter sterben. Vielleicht sollte er sich auf’s Schreiben beschränken, obwohl er da ja auch mittlerweile zum Kopisten übelst schlechter Vorlagen geworden ist (The Golden Bough), wo er sich nicht mal gross die Mühe macht, es wenigstens umzuformulieren. Was soll denn sowas? frag ich mich. Traurig sowas.

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