King Dude – Burning Daylight (Reviews)

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Interpret:
8. Februar 2013 | Von | Kategorie: Reviews
King Dude - Burning Daylight

King Dude – Burning Daylight

Für einen Typen vom Land ist es mitunter sehr befremdlich wenn er in die große Stadt kommt und beim dortigen Elektrofachhändler eine CD erblickt die er bis dato für den tiefsten „Underground“ gehalten hatte. Der zugegebenermaßen zunächst etwas abschreckend lächerliche Name „King Dude“ war mir bisher nur ein Begriff von der geplanten Split mit den Holländern von Urfaust gewesen. Da man ja allerdings von Zeit zu Zeit seinen Horizont erweitern möchte – oder im Laden die Zeit totschlagen muss – riskiert man ja gerne ein Ohr. Vom Qualitätslabel Ván erwartet man ja vieles – gerade wenn das Album dann noch ein solch ansprechendes Äußeres aufweist. Atmosphärischen Black Metal? Vielleicht eben in Richtung Urfaust?

 

Weit gefehlt. Zwar ist der Dude durch sein Wirken in einigen extremen Metal Bands wie „Book of Black Earth“, „Cross“ und „Teen Cthullu“ in der härteren Ecke der Stromgitarrenmusik verwurzelt, hier serviert er dem Hörer jedoch ganz andere Kost. „Neofolk“ hat der Mann, der bisher nur unter seinem eigentlichen Namen T.J. Cowgill in Erscheinung getreten ist, sich auf die Fahne geschrieben. Noch dazu hat er bereits die beachtliche Menge von vier Alben in zwei Jahren veröffentlicht und machte jüngst durch eine Tour mit der in Metalkreisen ebenfalls beliebten Chelsea Wolfe auf sich aufmerksam.

 

Nun bin ich eigentlich ein Mensch, der dieser ganzen Musikrichtung eher kritisch gegenüber steht. Zu selten kann ich mir das Geschnulze um die wunderschöne Heimat anhören während irgendein Hippie dazu ein Tamburin schwingt. Um so mehr erstaunt es, wie viel „Eier“ die Musik seines Soloprojektes bereits in den ersten Tönen beweist. Folkloristische Musik scheint sich in den USA nicht darin zu äußern, dass man den röhrenden Hirsch im Wald besingt, stattdessen nimmt der Dude sich ein großes Beispiel an Legenden wie Johnny Cash, krude gemixt mit Genre Größen wie Death in June, und lehrt den Rockabilly Way of Life anhand seiner Akustik-Klampfe. Nur eben in düster. Mit Satan.

 

King Dude

King Dude

Dabei überzeugt besonders die Mariannengraben-tiefe Stimme von Herrn Cowgill bei Ohrwurm-Hits wie „Jesus In The Courtyard“ oder „Lord. I’m Coming Home.“ Bei dem Mann sind im Laufe seines Lebens wohl ein paar filterlose Rothändle zu viel durch die schwarzen Lungenflügel gedampft. Und eben diese rauen, teerbelasteten Stimmbänder ergänzen sich so gut mit den oft melancholischen, teils hypnotischen und selten total nervenzerrend chaotischen („Loraine“) Arragements die der Amerikaner einem bietet. Dabei ist die, eigentlich durchgehend auf die Gitarre gestützte Musik, durchaus Eingängig und auch Abwechslungsreich. Der ganze Sound ist (wahrscheinlich gewollt) roh und hallend was den düsteren Eindruck nur verstärkt und den Alleinunterhalter auch in Gothic und Darkwave-Gefielden den ein oder anderen Fan bescheren dürfte. Dabei steigert sich die Qualität der Titel zunehmend um dann im absoluten Höhepunkt der Scheibe mit „My Mother was the Moon“ zu gipfeln. Hier hat der Mann gut daran getan das Mikro an die Sängerin Emily Denton abzugeben. Ihr zarte, verletzlich klingende Stimme stellt das Lied in einen krassen Kontrast zum bisher gehörten deprimierten Cowboy. Danach fällt das Album zugegebenermaßen wieder etwas ab und das schon erwähnte „Loraine“ nimmt dem gerade noch träumerischen Moment ein wenig die Magie indem der Herr Cowgill in eine geradezu groteske Stimmlage verfällt und alles bisherige ad absurdum führt während er den wunderschönen Tag „besingt“.

 

Ich muss zugeben, dass mir eine „Bewertung“ dieses Albums mehr als schwer fällt. Für mich stellt es wohl eine der überzeugendsten Veröffentlichungen 2012 dar. Nachdem es sich jetzt schon eine ganze weile bei mir hält würde ich direkt neun Punkte vergeben. Aber ich muss ja objektiv bleiben. Und da muss ich (leider) zugeben dass dieser sehr kauzige und eigene Country-Neofolk mit ziemlicher Sicherheit nicht jedermanns Geschmack treffen wird. Gerade die Titel nach dem Song mit dem geradezu hypnotischen Frauengesang wirken zu wirr, ecken sicher in so manchem Gehörgang an und machen das Album von Zeit zu Zeit richtig unbequem und schwer zu hören. Dazu kommt, dass akustische Lagerfeuermusik selten eine musikalische Offenbarung darstellt und das Vorgänger-Album „Love“ noch mit einer ganze Ecke mehr Ohrwürmern gesegnet war. Daher vergebe ich nun einfach mal gute sieben Punkte, rate aber dennoch dem Album die verdiente Chance zu geben.Wer nicht direkt in Digipack oder LP investieren möchte kann über Plattformen wie Spotify das komplette Album anhören und auch einen Vergleich zum Vorgänger ziehen. In meinen Ohren ein Ausnahmekünstler, bei dem ich froh bin, dass seine Musik nicht an mir vorbeigegangen ist.

 

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Label: Ván Records

Format: Digi-CD, LP

Veröffentlichungstermin: Bereits erschienen

Trackliste:

  1. Intro
  2. Holy Land
  3. Barbara Anne
  4. I’m Cold
  5. Visions in Black
  6. Jesus In The Courtyard
  7. I Know You’re Mine
  8. My Mother Was The Moon
  9. Lorraine
  10. You Can Break My Heart
  11. Lord. I’m Coming Home

 

(7 / 10)

(7 / 10)

 

 

 

 

 

 

 

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