Belenos – L’Ancien Temps (Reviews)

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Interpret:
19. Dezember 2012 | Von | Kategorie: Reviews

Aus Frankreich kommen eigentlich, wenn man sich den Aufzeichnungen und Berichten vergangener Generationen widmet, viele Dinge, die größte Beachtung verdienen: Die Revolution gegen monarchische Gewaltherrschaft, Napoleon mit der ersten Rechtsprechung, die auch in Deutschland zur Bildung eines Rechtsstaates führte, guter Käse, Schokolade, immer wieder Berichte über Demonstrationen, die damit Beispiel für ganz Europa darstellen (sollten). Nicht erst seit heute wissen Anhänger der Black Metal – „Bewegung“ auch, dass Franzosen neben all den positiven Exporten auch gute Musik zu bieten haben – und das nicht erst seit Alcest.

 

Seit 1995 schlachten Belenos erst als Ein-Mann-Projekt dann später als Klangkapelle, die auch Liveauftritte gab, ihre Zuhörer mit drückend-kraftvoller Stimmung ab. Von Loïc Cellier gegründet, veröffentlichten Belenos drei Demos bevor ihr erstes Album erschien. L’Ancien Temps stellt eine Compilation der Demoaufnahmen mit zwei Bonus-Tracks dar und wurde erstmals 2004 über Sacral Productions veröffentlicht. Am 18. Januar 2013 soll es nun eine erneute Neuauflage geben – diesmal über Northern Silence Production mit 3 Bonus Tracks und insgesamt 126 Minuten Spiellänge. Als kleine Nebeninformation um auf der nächsten truen Party zu überzeugen: Belenos (heute angesiedelt in der Bretagne) beziehen ihren Namen aus dem keltischen, wo dieser als Bezeichnung des keltischen/gallischen Gottes der Sonne dient(e).

 

Belenos bieten mit ihrer Mischung aus Pagan Metal (ohne nerviges zum Erbrechen gezogenes Chorgedöns) und Black Metal ein durchaus hörenswertes Ergebnis an. Die 20 – Track – Compilation ist in meinen Augen besonders, weil man mit jedem Lied die Entwicklung (musikalisch-charakterlich) des Musikers spürt. Mal erinnert es an eine gewisse Eigenständigkeit und manchmal einfach an norwegische Tiefkühlmusik alá frühen Darkthrone, Mayhem, etc – was am Anfang der 2-CD-Veröffentlichung dazu verleitet kann, es als stumpfe Kopie abzutun. Gerechtfertigt ist diese Einschätzung wahrscheinlich schon, aber selten hat eine Band mit ersten Demoaufnahmen Großartiges geleistet.

 

Die zweite CD unterscheidet sich stark von der ersten, denn sie strotzt vor Erfindungsgeist und Kompositionsgefühl. Während man bei den ersten Stücken das Gefühl hat nur auf eine weitere Band gestoßen zu sein, die nordischen Idealen nacheifern will, wechselt dieses Empfinden schnell in Überraschung und Anerkennung, wenn man sich die zweite Scheibe zu Gemüte führt. Die Riffs werden harmonischer, der Gesang bettet sich auf weichsten Notenfedern und die Stimmung wird mit beiden Händen greifbar – atmosphärisch besser gelungen als die erste CD.

 

In allen Stücken fehlt Belenos nicht die Raffinesse der französischen Gitarren- und Basskunst, mit denen sie sich als mehr als eine „ich mach jetzt mal Black Metal wie die ausm Norden“ – Teenies auszeichnen. Die Breite der Musik reicht von hassgeladenen Schredderpassagen bis hin zu melancholisch-schwerer Demütigung, einzelne typische Paganelemente wie Ritualgetrommel runden das Bild ab. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, wenn man so will, stellt die abwechslungsreiche Verwendung von Gesängen dar. Frauengesang, gutturaler Gesang, Cleanchöre, Chöre im Allgemeinen sind so arrangiert, das man gerne zuhört und atmosphärisch eingeladen wird, an jedem Stück teilzuhaben.

„Melancholie“, auf der zweiten CD zu finden, ist eines meiner Lieblinge und mir schon beim ersten Mal Hören ans Herz gewachsen. Düstere Effekte wie schwere Trommelschläge, so als würde man gleich in die Schlacht eines römischen Imperators ziehen, führen schnell in schleppende Gitarren- und Schlagzeugmanifestationen über, die mit einer traurig angehauchten Leadgitarre entsprechende Akzente bekommen. Zweizüngiger Gesang gibt dem Lied ein Gefühl der tiefen Auseinandersetzung und verstärkt den Eindruck des Kampfes, der sich durch das gesamte Lied zieht. Dieses Musikstück legt mit ständigem Wechsel der Gesangstiefe/-höhe, der Stimmenvielfalt (manchmal erinnert sie an die frühen Emperor) und den Schnelligkeits- und Schleppmomenten eine dynamische Entwicklung hin, sodass es auch nach dem 100 Mal hören nicht langweilig wird und man immer wieder Akzente entdecken kann, die einen von den Beinen hauen oder eine ganz neue Interpretationsmöglichkeit offenlegen.

 

Würde es sich bei dieser Veröffentlichungen nur um die zweite CD handeln, wäre das Urteil wahrscheinlich anders ausgefallen – besser. Als Gesamtwerk betrachtet ist diese Veröffentlichung durchschnittlich – nicht schlecht, nicht gut, hörenswert eben. Belenos haben mit L’Ancien Temps keine Musikgeschichte geschrieben, aber das ist auch nicht nötig. Eine solide Zusammenfassung der Erstlingswerke präsentiert sich hier dem geneigten Hörer, wird ihn nicht vom Stuhl reißen, ihn aber auch nicht mit erhobenen Erwartungen zurücklassen.

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Label: Northern Silence Productions

Format: A5 double CD Digipack

Veröffentlichungstermin: 18. Januar 2013

Trackliste:

      CD I
  • Le déluge 7:01
  • Notre amour éternel 6:36
  • Priez encore 5:35
  • Rêveries 5:09
  • Etrange douceur 6:43
  • Visages de ma solitude 8:45
  • Adorable mépris 6:49
  • Le déluge – live 2010 4:49
  • Derniére recontre – version 2000 6:02
  • Funeste et hivernal – rehearsal 1999 5:09
    CD II
  1. Derniére recontre 8:05
  2. Mélancolie 7:45
  3. Pensées 4:56
  4. Tristesse 5:08
  5. Sacrilége 6:05
  6. Lassitude – Outro 8:12
  7. Oraison funébre 6:11
  8. Le déchirement 5:57
  9. Funeste et hivernal 6:40
  10. Le domaine des songes acte I 4:35

 

 

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