Diagnose:Lebensgefahr – Transformalin (Reviews)

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Interpret:
22. September 2012 | Von | Kategorie: Reviews

Transformalin Re-release

Der Black Metal lebt von seiner Mystik. Das geht sogar so weit, dass viele die Meinung vertreten, dass Black Metal nicht auf die Bühne gehört. Es spiegelt das Verborgene wieder und sollte nur nach eigenem Ermessen und nicht in deiner großen Konzerthalle mit vielen anderen Zuhörern konsumiert werden. Oftmals geben uns die Musiker auch schon gar nicht die Möglichkeit dazu – denn wenn weder Interviews, Live Acts oder großartige Statements geliefert werden, bleibt nur die Musik um sich seine eigene Vorstellung zu machen. Die Gerüchteküche brodelt und wo nichts ist, wird etwas erfunden. In kaum einem anderen Genre stehen Realität und Fiktion so nah beieinander. Man ließ sich darauf ein, dass Nattramn sich Schweinefüße an die Hände genäht hat, 5 Jährige Kinder mit einer Axt erschlagen haben soll oder seine eigenen Genitalien gekocht und anschließend verspeist haben soll. Wir ließen es zu – zumindest in unserer Vorstellung.

 

DEATH – PIERCE ME

Nattramn

Als Silencer im Jahr 1998 ihr Demo und 3 Jahre drauf Ihr einziges Album  Death – Pierce Me“  veröffentlichten, wusste wohl niemand wie sehr sie damit den Depressiv Suicidical Black Metal nachhaltig revolutionieren würden. Doch genauso schnell wie Nattramn auftauchte, verschwand er auch wieder. Und mit Ihm Silencer. Was zurückblieb war ein verstörendes Industrial/Dark Ambient Projekt namens Diagnose: Lebensgefahr, welches  am 23. Oktober diesen Jahres ihr Re-Release des einzigen Werkes „Transformalin“ veröffentlichen.

 

WELCOME TO NON-HUMANS ART

Das mit Musik Gefühle verarbeitet und zum Ausdruck gebracht werden ist längst nichts Neues mehr. Als Teil eines Rehabilitation- und Therapie Prozesses werden jedoch nur die wenigsten anerkannt. In Zusammenarbeit mit der Psychiatrischen Abteilung Växjo wurde so innerhalb eines Jahres Musik von Nattramn geschrieben und aufgenommen. Der Sinn Diagnose:Lebensgefahr entstand.

 TRANSFORMALIN

Logo

Transformalin das ist ein Mix aus minimal Drone, Industrial und Dark Ambient vertont in 11 Stücke mit einer Länge von 68:55 Minuten. Als Intro wird man mit „The Level Beyond Human“ von Beginn an von einer Lärmwand beschallt, bis mit dem Titeltrack „Transformalin“ Nattramn sich zu Wort meldet und mit ungewohnt deutlicher Sprache (nicht vergleichbar mit Silencer) auffordert, neben seiner kaputten Psyche ihn nun auch physisch zu brechen. „Pull out my teeth /pell of my skin/break the bones beneath“. „Flaggan På Halv Stång I Drömmens Västergård“ stellt zu seinem Vorgänger das komplette Gegenteil da. Keine Stimmen, Kaum Geräusche, nur ferne Spuren drückender Ambientpassagen und Windgeheule. Mit „Upon The High Horse Of Selfdestruction“ verschwindet auch diese Ruhe und unter dumpfen Drommeln und Atemgehauche meldet sich Nattramn wieder zu Wort. Anfangs mit Propaganda ähnlichen Lyrics „Jugend by my feet /Solution in my hand /Europa on my shoulder“  bis hin zu der Vertonung vom quietschen „sterbender Schweine stellt der Song „Situazion: Lebensgefahr“ den kontrastreichsten und nach meinen Geschmack den kränksten Song des Albums da. Titel Nummer 6 „Anoxi“ ist wieder Instrumental von einer lärmenden Geräuschkulisse und hin und wieder auftretenden „Gewimmer“ geprägt. Ob es sich bei dem Song „The Last Breath Of Tellus“ um eine Art Widmung an den 90er Jahre Horrorfilm Begotten handelt, der stets mit Silencer und Nattramn in Verbindung gebracht wird, entzieht sich meiner Kenntnis.  Allerdings bezieht sich Nattramn zum ersten mal lyrisch auf Tellus, welche in der römischen Mythologie die Gottheit der mütterlichen Erde darstellt und in dem oben gennanten Film eine entscheidende Rolle spielt. Die beiden Stücke „Mani VS Apati Lärm“ und „Tillsammans Men Ensam I Stillhetens Kapell“ ist wieder ein Instrumentalmix aus Industrial, Ambient und Schrei passagen. Mit „Obducentens Dröm“ handelt es sich um einen reinen Auszug des Dokumentarfilmes „Ett anständigt liv – A Decent Life“ von Stefan Jarl aus dem Jahre 1993. Die Dokumentation zeigt das verstörende Leben Schwedischer Jugendliche welche sich in der Heroinabhängigkeit und Kriminalität verloren haben, bis in den Tod. Das Ende ist mit „De Vårdar Mig In I Döden“ erreicht, indem nochmal der klassische Diagnose:Lebensgefahr Sound an den Hörer tritt. Ein breites Rauschen.

 

NOT HUMAN AND WITH A PIGFACE

FAZIT, Diagnose:Lebensgefahr ist eine Reise durch eine gebrochene Psyche. Das beweist allein schon das stetig wiederkehrende Thema der Schweine, welches von der Objektiven Gestaltung des Bandlogos bis hin zur Musik und der Lyriks reicht. Ähnlichkeiten mit Silencer wird man vergeblich suchen. Denn diese Musik hat rein gar nichts mit Silencer oder Black Metal zu tun.  Nur eine ferne Ähnlichkeit mit Stalaggh wäre hier gerechtfertigt. Wenn dieses Album nun wirklich den repräsentativen Zustand Nattramn´s wiederspiegeln soll, stell ich mir eigentlich nur eine einzige Frage: Wie hat es dieser Mensch überhaupt aus der Psychischen Anstalt rausgeschafft?

 

Der Tonträger sowie Merch können über die offiziele Homepage von HAL http://humanianimaliliberati.com/ bezogen werden. Das auf 200 Stück limitierte Digi-Book unter www.infinitefog.ru / info@infinitefog.ru

 

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Bandpage:  http://humanianimaliliberati.com/

Format: CD / Digi-Book

Veröffentlichungstermin: 23.10.2012

Trackliste:

1. The Level Beyond Human
2. Transformalin
3. Flaggan På Halv Stång I Drömmens Västergård
4. Upon The High Horse Of Selfdestruction
5. Situazion: Lebensgefahr
6. Anoxi
7. The Last Breath Of Tellus
8. Mani VS Apati
9. Tillsammans Men Ensam I Stillhetens Kapell
10. Obducentens Dröm
11. De Vårdar Mig In I Döden

 

(7 / 10)
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2 Kommentare auf "Diagnose:Lebensgefahr – Transformalin"

  1. Silas Mellentin sagt:

    Super Review!

  2. Constantine sagt:

    Yes, review is great; but I think Diagnose: LebensgefahR is kind of art that, simply can’t be criticized, because it’s a new form of art, new era, new age music, the most modern, but it also recycles old ideas and shares experiences from the other artists. For example „Obducentens Dröm“ is cover of Ulf Dageby’s „Gallret“. I think Nattramn is (one of) the greatest and the modest artist in the world. God bless him!

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