F41.0 – Near Life Experiences (Reviews)

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Interpret:
22. März 2013 | Von | Kategorie: Reviews
F41.0 - Near Life Experience

F41.0 – Near Life Experience

Angst, Panikattacken, urplötzliche Anfälle vollkommen unbegründeter Furcht… für all das steht das Kürzel F41.0 in der Psychotherapie. Betroffene befinden sich in einem endlosen Strudel aus schierer Angst – sei es vor dem Leben oder auch nur dem nächsten Auftreten eben jener Panikstörungen. Eine Krankheit also, die dem Leidenden nicht nur die Hölle auf Erden bereitet, sondern deren Thematik auch den idealen Nährboden für ein Black Metal Projekt bietet. Kratein Gitarrist Hysteriis hat sich offenbar dieser Geistesstörung angenommen um mit seinem ersten Solo Werk „Near Life Experiences“ die Abgründe der menschlichen Psyche zu vertonen.

 

Doch genug von meinem rudimentären Wikipedia-Halbwissen und zur Musik. Denn das die sich wirklich hören lassen kann, hatte Hysteriis schon lange im Vorfeld durch zum freien Download angebotene Single „Krankheit“ bewiesen. Das lang erwartete Album nun, wartet nicht nur mit einer aufpolierten Version dieses an Hermann Hesses Gedicht „Der Sterbende“ angelehnten Stückes auf, sondern mit weiteren drei überlangen Songs. Nachdem ich die Selbstbeschreibung als „Pitch Black Soundscapes“ gelesen habe, muss ich zugeben dass ich bei einer Spielzeit von fast 40 Minuten bei nur vier

 

Pitch Black

Pitch Black

Titeln schon mit etwas langatmigen Ambient Passagen gerechnet hatte. Doch schon der Opener „Dazwischen“ belehrt mich eines besseren. Natürlich gibt es viele flächige Riffs, die dem ganzen eine sehr beklemmende Atmosphäre zwischen Melancholie, Wahnsinn und eben Angst beschert, der Freiburger beweist aber schon im ersten Titel, dass so etwas nicht automatisch mit übertriebenen Längen gleichgesetzt werden muss. Stattdessen bietet „Dazwischen“ direkt überraschend viele Fixpunkte die sich in meinem Gehörgang verankern und mit euphorisch zum Repeat-Knopf greifen lassen. Diese reichen von den schleppenden bis harten Gitarrenmomenten hin zu einem sehr prägnanten Ohrwurm-Refrain, der trotz harschem Gekeife des Herrn Hysteriis sehr gut verständlich ist, mich aber natürlich nur erahnen lässt dass es hier weitestgehend um innere Zerissenheit und Probleme mit sich selbst geht. Wer jetzt direkt den DSBM-Stempel zückt ist allerdings an der vollkommen falschen Adresse, denn das waren dann auch schon die einzigen wirklichen Parallelen zur Depri-Schiene.

 

 

Generell fällt es mir schwer Vergleiche zu anderen Bands zu ziehen. Denn selbst Verbindungen zu Kratein wären vollkommen fehl am Platze. Dabei beziehen sich die Überschneidungen ja nicht nur auf dem Mann hinter der Musik selbst – auch Kratein und Todtgelichter Klampfer Frederic gibt sich zu einem gedoppelten Gesangsduett im Song „Fluchtpunkt“ die Ehre eines Gastauftrittes. Dieser Teil des Albums dürfte besonders die Menschen freuen, denen die neue Ausrichtung der Hamburger gar nicht zusagt, bekommt man hier doch noch mal einen leichten Hauch ihres letzten Albums geboten (auch wenn „Angst“ auch schon nicht unumstritten war). „Modern“, eigenständig und gut produziert, so dass sich jedes Instrument ordentlich entfalten kann, aber ohne dabei anhaltenden Trends nachzujagen – grundsätzlich scheint das Album auf einen Stilbruch nach dem anderen zu bauen. Zuerst der harte Ohrwurm-Opener, dann das stellenweise beinahe hypnotische „Fluchtpunkt“ und direkt danach der Titelsong, der dem ganzen in Sachen „pechschwarzer Atmosphäre“ durch Überlänge, Sturmgeräusche und unerwartetem weiblichen Gesang die Krone aufsetzt. Dabei fällt gerade die Tatsache dass kein Song wie der Andere klingt positiv auf – lieber „nur“ vier Stücke und dafür keine Füller scheint hier die Richtlinie gewesen zu sein, denn unterm Strich bleiben nach besonders rohen „Krankheit“ wenig  andere Wünsche offen, als der hier unbedingt noch mehr hören zu wollen. Insgesamt eine sehr starke erste Vorstellung – sowohl für F41.0 als auch für Empyre-Music, welches mit diesem Album den Einstieg als Label feiert. Hier kann man nur hoffen bald mehr zu hören zu bekommen.

 

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Label: Empyre-Music

Format: CD

Veröffentlichungstermin: 22.03.2013

Trackliste:

  1. Dazwischen
  2. Fluchtpunkt
  3. Near Life Experiences
  4. Krankheit (Bonus Track)

„Near Life Experiences“ auf Empyre-Music vorbestellen

 

 
(8 / 10)

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