Moghul – Dead Empires (Reviews)

1 Punkt2 Punkte3 Punkte4 Punkte5 Punkte6 Punkte7 Punkte8 Punkte9 Punkte10 Punkte (1 votes, average: 10,00 out of 10)
Loading...
Interpret:
16. Januar 2013 | Von | Kategorie: Reviews
Moghul - Dead Empires

Moghul – Dead Empires

Jeder befindet sich irgendwann auf der Suche. Jeder probiert sich aus. Manche bleiben auf einem schlechten Trip hängen, andere sind heimatlos, einfallslos, verloren. In der Musikwelt ist das nicht anders. Wenn man manche Dinge ins Herz geschlossen hat, kann man selten loslassen und doch ist dort der Funken, der den Ofen anfeuert, Dampf macht, man solle sich auf neue Wege begeben, neues für sich entdecken. Manchmal benutzt man diese Energie dafür, manchmal bleibt man hängen in der stumpfen Leere. Nachdem dann Hoffnungslosigkeit Einzug gehalten haben, verspürt man eine gewisse Arroganz, man sei besser als andere, klüger, verlebter – und leben ist ja gut. Doch in diesem Engstirnigen liegt dann auch meistens der Fehler, denn mal abweichen von schnöder Dahinsiecherei kann durchaus von Vorteil sein und plötzlich entdeckt man etwas, dass neu anfeuert.

 

So ergeht es wohl einigen, auch wenn ich selbst keine Versprechungen machen will, mit Moghul aus Birmingham. Mit ihrer ersten Vinyl Dead Empires erschaffen sie etwas, das seinesgleichen sucht, und wenn es dann gefunden ist, keine anderen Herrschaftsansprüche erlaubt als die eigenen. Denn mit so einem Mach(t)werk in der Hinterhand steht die Krone wohl nur einem zu – and long live the King in the Dead Empires.

 

Moghul: Erfrischend normal, mit viel Potential

Die EP besteht aus zwei Liedern, aufgeteilt auf A und B Seite, mit insgesamt 24 Minuten Spiellänge kurz geraten, aber dafür nicht weniger eindrucksvoll – und bei näherem Hinsehen auch genau richtig, denn die Intensität gepackt in diese Länge ist herausragend und zehrt aus.

 

Gesanglich zeichnen sich beide Stücke durch Clean-Passagen und rotzigem gultural Gesang aus. Sich selbst ordnen Moghul in die Genre Heavy Rock/Doom/Sludge/Stoner und genau das repräsentieren sie auch: Einflüsse und Genreelemente aus diesen Spaten werden genommen, ein mal gut durchgemischt und heraus kommt eine Zusammenstellung großen Ausmaßes, kraftvoll und mitreißend, zerstört beinahe eben so wie die Dead Empires.

 

Das gleichnamige erste Lied drückt einem die Euphorie regelrecht in die Venen und lässt den schwarzen Abgrund in Herzensnähe mit einem tiefen Schaudern erbeben – abgestorbene Brocken Geschmackgeschichte lösen sich, klatschen kalt auf die verhärteten Genre-Innereien und lassen neues Musikleben aufbrausen. Schaurig-tiefe Gitarren sind zum Bersten gedehnt, eine Stimmung voller niedriger Beweggründe, unterlegt mit kraftvollem Schlagwerk. Eine mitreißende Melodie erklingt gleich am Anfang dieses Stück mit eindrucksvoll gesetzten Pausen die wieder und wieder wiederholt werden und sich letztlich im einsetzenden Gesang immer weiter herein steigern. Mit einer Gitarre akzentuierte Parts tragen zum Songkonstrukt bei und es wirkt weder überladen noch überflüssig, denn mit jeder Note wird der Hörer unter neuen Gefühlswogen begraben. Augen zu und fallen lassen, denn Dead Empires ist bewusste Musik, die man im ganzen Körper spürt, die einen mitreißt, auseinandernimmt, wieder zusammenbaut bis man sich in Ekstase die Kleider vom Leib reißen will.

 

Moghul

Auf der B-Seite befindet sich Hidden Hand, das ähnlich dem ersten Lied ist, und doch irgendwie vollkommen anders. Die Trommeleinlagen werden gerade zum Anfang des Songs verstärkt in den Vordergrund gezogen sodass man einen vehementen Cut zum ersten Stück der Reise erlebt, Gitarren werden variierter eingesetzt und die Stimmung kippt, doch nicht im negativen Sinne. Sie ist erwartungsgeschwängerter, und obwohl der Sound nicht an Druck nachlässt, wirkt dieses Stück ruhiger, wie ein Abschluss – und auch wenn die Komposition düster ist, verspürt man eine Ruhe, die durchatmen lässt auf einer Reise in sich selbst. Jazzige Gitarrenparts halten die Soundwand bewegt und abwechslungsreich, Bogen werden immer wieder gespannt, ein Gesamtwerk entsteht, in sich verschachtelt und doch gradlinig.

 

Moghul hauen hier etwas raus, das bewegt. Bewusstes Chaos, bewusste Matrialisierung von düsteren Gedankengängen und bewusste Entführung mit einer (für mich) neuartigen Zusammenstellung verschiedener Musikgenres. Man sollte sich auf die Reise in die Dead Empires begeben, sich darauf einlassen und einfach genießen.

 

[contentbox headline=“Moghul – Dead Empires“ type=“normal“]

 

Label: Devizes Records

Format: 12″ Vinyl

Bandpage: Moghul – Bandpage

Veröffentlichungstermin: 28. Januar 2013

Trackliste:

  1. Side A – Dead Empires
  2. Side B – Hidden Hands
(9 / 10)
(9 / 10)

[/contentbox]

Gelesen: 169 · heute: 0 · zuletzt: 11.06.2019

Schreibe einen Kommentar